Aktion gegen Eingriff am Kriegerdenkmal geplant
Dachdecker Sven Richter will Unterschriften sammeln / Altstadtverein lehnt alle Entwürfe ab
Wurzen (kol). Gegen das mögliche Kunstprojekt auf dem Alten Friedhof am Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges wird es eine Unterschriftenaktion geben. Dachdeckermeister Sven Richter bestätigte gestern, dass er dies plane. Er sei sich allerdings noch nicht über die genaue Form im Klaren. "Wir brauchen dieses Kunstprojekt nicht", sagte Richter, "denn das Denkmal ist doch schon ein Kunstwerk, das sich gegen Krieg ausspricht." Er werde sich dafür einsetzen, dass das Denkmal in seiner jetzigen Form bestehen bleibe. "Das Wurzener Bündnis spricht nicht für die Wurzener Bürger."
Auch andere Wurzener Unternehmer denken derzeit darüber nach, wie sie sich gegen das Projekt, das vom Wurzener Bündnis initiiert wurde, stellen können. "Ein Treffen dazu hat es gegeben", sagte Kerstin Winzek, Geschäftsführerin der Wurzener Nahrungsmittel GmbH gestern. Ein Resultat stehe noch aus. "Wir haben noch nichts organisiert", so Winzek.
Der Geschichts- und Altstadtverein meldete sich zudem nun mit einer inhaltlichen Analyse der eingereichten Entwürfe zu Wort. "Insgesamt sind die vorgelegten Vorschläge für uns kein Beitrag, eine Debatte über das Denkmal und dessen Würdigung zu inszenieren", heißt es in dem Schreiben. "Das Denkmal ist eine einzigartige künstlerische Leistung des Dresdener Bildhauers Wrba und inhaltlich ein Ehren- und Denkmal aus der Trauer über die namentlichen Gefallenen ... Das Denkmal lebt für sich und benötigt unsererseits keine ,Aufwertung' in den vorgestellten Varianten", schreiben die Vorstandsmitglieder des Vereines, Jürgen Schmidt und Wolfgang Ebert. So sei beispielsweise die Idee eines gläsernen Daches, die das Künstlerpaar Helmut und Johanna Kandl ausgearbeitet habe, eine "überaus große bauliche Veränderung und gestalterische Veränderung des Denkmals ..." Der Vorschlag, die Parkanlage mit Lautsprechern auszustatten, über die unterschiedliche Meinungen zum Ehrenmal verbreitet werden, gefällt dem Altstadtverein ebenso wenig. Dadurch würde der Charakter der Anlage als ehemaliger Friedhof gestört.
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Standpunkt
Kunstwerk mit G'schmäckle
Von Kai Kollenberg
Ein Fehler kann selbst eine gute Sache von Grund auf in Verruf bringen. In Wurzen gibt es derzeit so einen Fall: das Kunstprojekt am Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof. Jeder mag dazu stehen, wie er möchte. Dass ein kleiner Kreis von Akteuren die Aktion an einem städtischen und öffentlichen Denkmal sehr weit vorantreibt, ohne sich bei kommunalpolitischen Gremien abzusichern, hat schon ein G'schmäckle. Nicht zu Unrecht hatten nicht wenige Wurzener den Eindruck, dass sie praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollen. Dies kann dem Ansinnen des Bündnisses nicht dienen. Denn darüber, ob das Kunstprojekt vielleicht einen guten Gedanken in sich birgt, wird momentan kaum gesprochen. Vielmehr beherrschen hitzige Äußerungen die Debatte, ob das Denkmal überhaupt angerührt werden darf und sollte.
Warum ein Bündnis, das sich der Demokratie qua Namen verschrieben hat, sich erst spät und nicht von Anfang an der Transparenz verpflichtet, ist dabei die interessanteste Frage. Zögerten die Mitglieder, weil sie um Mehrheiten für das Projekt fürchteten? Fühlten Sie sich legitimiert, obwohl kein Stadtrat, kein Ausschuss sie beauftragt hat? Die Stadt hat nun klargestellt, dass Rat und Bürgerschaft vor einer möglichen Umsetzung des Kunstwerkes noch einmal eingehend befragt werden. Das ist ein deutliches Zeichen. Es könnte allerdings zu spät sein, um das Projekt von dem bitteren Beigeschmack zu befreien.
@k.kollenberg@lvz.de
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