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Unsere interaktive Internetplattform „nixlos? – dann mach was los“ ruft zur landkreisweiten Vernetzung von Jugendinitiativen und -gruppen, Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe sowie zivilgesellschaftlichen Partnern auf.

InUmMitWurzen

Plakataktion

Aktive Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Rassismus in Wurzen und Umgebung - plakative und performative Aktionen im öffentlichen Raum.

NDK auf facebook

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Hier findet ihr das NDK auf facebook.

2004

31.12.03 / 01.01.04

Wurzen: In der August-Bebel-Straße 11 feiern Wurzener Neonazis Silvester und spielen rechtsextremistische Musik ab. Der Hausbesitzer – kein Wurzener – wird darüber verständigt und erstattet später Anzeige, u.a. gegen seinen Neffen, in dessen Wohnung gefeiert wurde.

16.01.2004

24.01.2004

Wurzen: Es taucht ein A4-Flugblatt der JN auf, in dem für eine Mahnwache am 24. Januar auf dem Jacobsplatz (10 – 13 Uhr) geworben wird. Verantwortlich ist Sascha Wagner. Erwartet werden angeblich 10-25 Leute. Im Flugblatt wird gegen das System etc. sowie gegen Markus Zeh (sic!) und Michel Friedmann geschimpft. Das Flugblatt wird auch von drei Nazis auf dem Parkplatz vor dem Gymnasium verteilt. Schüler benachrichtigen die Schulleitung und die Polizei. Die Nazis verschwinden daraufhin.

Wurzen: Die bundesweit beworbene Kundgebung der Jungen Nationaldemokraten JN, der Jugendorganisation der rechtsextremen Partei NPD, auf dem Jacobsplatz wurde von dem bundesweit bekannten Neonazi Sascha Wagner als “Beauftragter für den Muldentalkreis” angemeldet. Hier versammelten sich ab 11.00 Uhr etwa sechzig Rechtsextreme und forderten u.a. “Freiheit statt Repression für nationale Jugendliche”. Anwesend waren neben vielen jungen auch mehrere ältere Rechte aus Wurzen und Umgebung. Schaulustige waren neben dem OBM Dr. Schmidt auch das Ehepaar F. (Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns e.V.), welches sich mit Organisatoren der Mahnwache unterhielt.

Unter dem Motto "Die Narren sind los" protestiert ein Bürger- und Bürgerinnenbündnis gegen die Mahnwache der Jungen Nationaldemokraten.

Mit einer halbstündigen Kundgebung auf dem Bürgermeister-Schmidt-Platz protestieren zum Höhepunkt der Narrenzeit rund sechzig größtenteils Wurznerinnen und Wurzner gegen die Jungen Nationaldemokraten am selben Tag. Nach Beendigung des Protestes ziehen viele TeilnehmerInnen an den Ort der Nazis und protestieren friedlich. Von der Polizei “vorsorglich” und massenhaft ausgesprochenen Platzverweise müssen nach Veto jedoch wieder zurückgenommen werden.

Januar 2004

Wurzen: Die Naziband “White Destiny” hat Ende 2003 eine Demo-CD mit neun Liedern in Rostock aufgenommen. Sie heißt “Finde deinen Weg” und wird über einschlägige Nazi-Versandkataloge und über das Internet vertrieben (“ … im typischen deutschen RAC-Stil in Studioqualität. Textlich dreht es sich um politische Themen, Szene und das Leben.” /Rock-Nord). Einen Proberaum haben sie jedoch immer noch nicht, treten dafür aber mittlerweile bei zahlreichen rechten Konzerten mit u.a. Selbststeller (Riesa) und Racial Purity (Sachsen-Anhalt, Cottbus) auf. Beide nennt der VS-Bericht 2003. Eine weitere CD soll “Warten auf den Neuanfang” o.s.ä. heißen, besagen Gerüchte.

Die Band “Utgard” hat sich gegen Ende 2003 aufgelöst, sagen Insider; den Proberaum nutzt nun eine nichtrechte Metal-Band.

Januar 2004

Sascha Wagner wohnt mittlerweile in Wurzen in der Kutusowstraße 42; der meldet mehrere Mahnwachen bzw. Infostände im gesamten Kreisgebiet an, um Wahlkampf für die bevorstehenden Wahlen im Juni zu machen. Seine Vertretung ist Marcus Müller. Außerdem werden massiv Unterstützer-Unterschriften gesammelt. Insgesamt schafft es die NPD in sieben von acht Wahlkreisen Kandidaten für die Kreistagswahl und Kommunalwahl aufzustellen. Somit ist relativ sicher, dass sie in den Kreistag einziehen wird.

Februar 2004

Machern: Das BKA beschlagnahmt bei einer Razzia im Sonnenstudio rechtsextreme CDs, rassistische T-Shirts und diverse PC. Von hier aus betreibt der rechte Versandhandel unter seinem Betreiber Thomas P. das Label Front-Records (www.front-records.com). U.a. werden 150 Combat 18 – Shirts beschlagnahmt. Der Online-Vertrieb jedoch geht weiter. (LVZ vom 12.02.2004)

Am 19.02. wird eine Gegendarstellung P.s in der LVZ abgedruckt, in der er bestreitet, jemals aktiv in noch führender Kopf der Blood&Honour Sachsen gewesen zu sein. Am 25.02. berichtigt die LVZ aufgrund einer einstweiligen Verfügung zudem, dass keine Hakenkreuzfahnen gefunden worden seien. P. lässt sich gegenüber der Zeitung juristisch von der bundesweit bekannten Anwaltskanzlei Kunze (u.a. Verteidiger von Rechtsterroristen)  vertreten.

März 2004

Wurzen: In der Walther-Rathenau-Straße 18 hat Thomas P. - www.front-records.com - ein Haus (ehem. Fleischerei) gekauft, in dem auch Band-Proberäume in ehemaligen Kühlräumen geschaffen werden. So probt die Naziband “White Destiny” da. Der ehem. Eigentümer des Hauses, Wolfgang F., kommt aus Dahlen. Augenzeugen berichten von viel Zulauf auf dem Grundstück durch rechte Jugendliche.

06.03.2004

Machern: (6 km) Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Samstag ein Skinhead-Konzert in Machern aufgelöst. Im Freizeittreff des Sportparks Tresenwald sollte die Veranstaltung über die Bühne gehen. An dem Konzert, das bereits begonnen hatte, nehmen rund hundert Personen (Nähe zur Blood-&-Honour-Szene) teil. An dem Polizeieinsatz sind rund 80 Beamte beteiligt. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei den Besuchern um Personen aus dem Muldentalkreis, aber auch aus Torgau, Oschatz, Delitzsch und Leipzig. Zu Auseinandersetzungen sei es nicht gekommen, keiner der Teilnehmer habe nach dem Auflösen der Veranstaltung Widerstand geleistet, hieß es nach dem Einsatz. Am Rande des Konzertes seien verschiedene Gegenstände sichergestellt worden. Die Polizei ermittle wegen des Verdachts auf Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

29.04.2004

Wurzen: In der Walther-Rathenau-Straße 18 (Front Records) findet ein Konzert mit zwei rechtsextremen Skinheadbands statt. Ca. 100 Gäste sind anwesend. (lt. Antwort des SMI/ VS auf kleine Anfrage der PDS vom Juni 2005)

30.04.2004

Wurzen: Ein thailändisch-chinesischer Imbiss vor dem Kaufland in Wurzen wird angezündet, nachdem versucht wurde, einzubrechen. Die Feuerwehr konnte das Feuer noch löschen, bevor größerer Schaden entstand. Anzeige wurde erstattet, die Polizei ermittelt. Es wird von einem Schaden von ca. 2000 ¤ ausgegangen.

15.05.2004

Wurzen: In der Nacht zum Samstag überfallen mindestens 15 Rechtsextreme fünf alternative Jugendliche in der Rosa-Luxemburg-Straße. Dabei werden drei verletzt. Einer wird mit mehreren Kieferfrakturen und zahlreichen Hämatomen am gesamten Körper in die UNI-Klinik Leipzig gebracht und später operiert. Ein weiterer erleidet mehrere Verletzungen an Kopf und Hand, ein Dritter wird am Unterarm verletzt. Die organisiert auftretenden Rechten sind massiv mit Schlagstöcken, Knüppeln und Baseballschlägern bewaffnet. Der Staatsschutz ermittelt, u.a. auch wegen Landfriedensbruch. Es werden insgesamt 15 Tatverdächtige festgestellt und vier vorläufig festgenommen. Die Betroffenen stellen Strafantrag. Bürgermeister Lehne und Revierleiter Weiden besuchen am Sonntag das Opfer in Leipzig.

Ende Juli 2004 bezeichnet Frau Friedrich (Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns / Schweizergartentreff ) gegenüber Zeugen den Übergriff als “von AMAL inszeniert”.

13.06.2004

Muldentalkreis: Bei den Kommunalwahlen bekommt die NPD im Kreis 5,8%. In Wurzen sogar 11,8%, in Trebsen 11,7%. Im Kreistag und im Stadtrat Wurzen zieht die NPD mit je drei Leuten ein. OBM Schmidt relativiert den Wahlerfolg in der Presse und sieht keinen Handlungsbedarf.

19.06.2004

Zschorna: (5 km von Wurzen) Beim jährlichen Sommernachtsball wird ein Einwohner durch den rechten Schläger Kri** verletzt und im Wurzener Krankenhaus stationär behandelt. K. beschimpfte den Mann u.a. als “alten Penner”.

19.06.2004

Roda: (OT von Mutzschen/ 18 km) Die sächsische NPD feiert in Roda ihre Sommersonnenwende. Das Grundstück gehört dem Landesvorsitzenden Winfried Petzold. Organisatorisch zeigen sich Wagner und Müller – dessen Wahlkreis Mutzschen ist – verantwortlich. Als Redner wurde der Rechtsterrorist Peter Naumann angekündigt. Zudem spielte ein rechter Gitarrenbarde. Bis ca. 20.30 Uhr schienen nur recht wenige Personen (auch viele ältere) an der Feier teilzunehmen. Schätzungsweise max. 80 aus Dresden, den Kreisen Sächs. Schweiz, Muldental, Riesa-Großenhain, Meißen, Torgau-Oschatz, Kamenz. Aus Dresden reiste ein Bus der Firma Gendritzki an.

Leipzig: Zwischen 11 und 13 Uhr demonstrieren mehrere Neonazis – u.a. Sascha Wagner – gegen die “Kriegspolitik” Israels und der USA vor dem amerikanischen Konsulat. In einem Bericht auf der Homepage der NPD Muldental werten die Nazis die Demo als Erfolg, da sie “Tausende Menschen” erreichen konnten. Und Autos.

26.06.2004

Wurzen: Beim Pressefest der Muldentaler Kreiszeitung (MTZ) im Badergraben tauchen gegen 12.30 Uhr ca. 15 Rechtsextreme (u.a. Müller, Wagner, Schrot sen.) aus dem NPD-Umfeld auf. Gegen 13.10 Uhr entfalten sie Transparente. Slogans u.a. sind “Gegen politische Verfolgung nationaler Jugendlicher!” und “Wir glauben eher an die Unschuld einer Hure, als an den Wahrheitsgehalt der LVZ!”. Die Aktion wurde 14.00 Uhr ohne Störungen beendet.Die Polizei ermittelt wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Am ehemaligen Möbelhaus Zimmermann an der Zimmermannskreuzung wurde schon vorher ein Transparent mit gleichem o.g. Slogan aufgehängt.

Wurzen: Zeugen berichten davon, dass Wagner umgezogen sei. Sie beobachteten ihn und andere bekannte Rechte, wie sie mit einem PickUp Möbel usw. abtransportierten.

Wurzen: Zwei namentlich bekannte Rechte (22) randalieren gegen 3.00 Uhr vor dem Bahnhofsshop und beschädigten zwei Blumenkübel sowie eine Fensterscheibe und flüchten zu Fuß. Beide werden durch den Betreiber des Shops in Wurzen, in der Walther-Rathenau-Straße / Kantstraße gestellt und an die Polizei übergeben.

18.07.2004

Wurzen: Gegen 5.00 Uhr schlagen mindestens vier rechte Jugendliche aus einer Gruppe von ca. 15 nach rassistischen und nazistischen Beleidigungen einen 29-Jährigen auf dem Markt zusammen. Er wird schwer an der Hand verletzt (ein Finger ist gesplittert, mehrere Hämatome am ganzen Körper) und wird stationär behandelt. Ein weiterer 27-Jähriger wird beim zu Hilfe kommen ebenfalls geschlagen und verletzt (Knie, Hämatome). Zwei weitere Zeugen – darunter eine junge Frau - bleiben unverletzt. Einer der Täter wird am Kopf verletzt. Diese sind zum Teil bekannt. Ein Opfer will nach Eintreffen der Polizei Strafantrag stellen, was die Beamten jedoch mit dem Hinweis auf Vorladung ablehnen. Sie nehmen lediglich Personalien der Betroffenen auf. Ob sie dies auch bei den Angreifen tun, ist den Zeugen ungewiss. Die Verletzten werden mit juristischer Unterstützung als Nebenkläger im Strafprozess auftreten.

Die drei Haupttäter (zwei davon - 23 und 22 - erwähnt der Polizeibericht und die LVZ in einer Meldung) sind den Betroffenen (der später schwer Verletzte war sehr betrunken und musste gestützt werden, um zu laufen) von der Postsäule in der Wenceslaigasse aus gefolgt und haben sie beleidigt und bedroht. Dort standen sie in einer Gruppe von 15 Rechten. Später kam der Rest der Gruppe zum den Markt hinzu.

(Nachtrag am 14.01.2005: Die Fingerverletzung des 29-Jährigen ist im Januar 2005 derart kompliziert, dass der ihn behandelnde Arzt im Jahr 2005 auch eine mögliche Amputation nicht völlig ausschließt.)

In derselben Nacht kommt es vorher zu mindestens zwei weiteren Übergriffen durch rechte Jugendliche. So wird in der R.-Breitscheid-Straße ein Jugendlicher in Höhe des China-Restaurants verletzt, ein anderer in der Nähe der Miami-Bar in der Mozartstraße. Er muss mit einer Kopfverletzung stationär behandelt werden. Es liegt sehr nahe, dass es die selben Täter gewesen sind, da die Täterbeschreibungen übereinstimmen.

17.08.2004

Muldentalkreis: Pünktlich zum Rudolf-Heß-Gedenktag tauchen im gesamten Kreis Aufkleber und Schmierereien auf, die an den Naziverbrecher und sogenannten “Märtyrer des Friedens” erinnern sollen. Während in Brandis die Verwaltung Anzeige erstattet, sieht man bei der in Wurzen davon ab. Auch in Nemt, einem Ortsteil von Wurzen, ist die Bushaltestelle verunstaltet.

Mitte August 2004

Wurzen/ Bennewitz: (2 km)Ein Jugendlicher in einer Beschäftigungsmaßnahme beim Kyffhäuser-Bildungswerk wird durch rechte Jugendliche antisemitisch beschimpft, nachdem er sich geoutet hatte, jüdische Vorfahren zu haben. Er wird nunmehr nur noch als “der Jude” gerufen. Wenige Tage später wird er auch im Stadtgebiet Wurzen und vor seiner Wohnung beleidigt und bedroht.

Mitte August 2004

Wurzen: In der Walther-Rathenau-Straße soll Thomas P. neben seinem Laden, dem Textildruckservice und dem Online-Versandhandel front-records eine (illegale) Kneipe “Zur ehemaligen Fleischerei” etabliert haben, berichten Zeugen. Wie aus "Insiderkreisen" zu hören ist, hat P. auch ein Studio zur Produktion eigener Tonträger im Haus. So würde sich auch erklären, dass seit Monaten Autos aus aller "Welt" da auftauchen, deren (nicht nur) kurzhaarige Insassen vermutlich Aufnahmen machen. Er hat fast täglich sehr großen Brief- und Paketverkehr.

01.09.2004

Wurzen: In der Wenceslaigasse wird 11.45 Uhr der PDS-Kreis- und Stadtrat Jens Kretzschmar von einem rechten Jugendlichen geschlagen und bepöbelt. Dieser war zusammen mit einem weiteren Rechten in einem Opel Kadett unterwegs. Kretzschmar erstattete Strafantrag und wurde ärztlich behandelt. Die Täter konnte Kretzschmar später bei der Polizei identifizieren.

Wurzen: Zur Stadtratssitzung erscheinen auch die drei NPD-Abgeordneten Rosenberger (er muss sein Mandat im Gegensatz zu Möbius annehmen), Schumann und Schroth. Sie sagen während der Sitzung nichts. Im Publikum saßen sechs Sympathisanten. Proteste oder Beiträge zum Einzug der Nazis ins Parlament kamen von keiner der Fraktionen, auch nichts zum Tag des Überfalls der Nazis auf Polen.

Sommer 2004

Leipzig: (25 km) Auf den Montagsdemos treten immer wieder auch Wurzener Nazis - u.a. mit Transparenten - in Erscheinung, wie diverse Fotos beweisen.

Anfang September 2004

Bennewitz: (2 km)Mehrere 14-15-jährige Mitschülerinnen schlugen in der Mittelschule ein 13-jähriges Mädchen und malten ihr SS-Runen auf die Stirn. Vorausgegangen waren wochenlange Bedrohungen und Übergriffe durch die Täterinnen, die engen Kontakt zu einer Gruppe Jugendlicher im Ort haben, die als rechtsorientiert eingeschätzt werden kann. Einige ältere Jugendliche aus der Clique sind als Rechtsextreme bekannt und durch Übergriffe in Erscheinung getreten. Öffentlich bekannt wurden die Taten erst Ende Oktober. Das traumatisierte Opfer befindet sich mittlerweile in psychotherapeutischer Behandlung. Zwei der Täterinnen sind aus der Schule verwiesen worden. Bürgermeister und Polizeidirektor zeigten sich entsetzt über die Tat und die Dauer der Misshandlungen. Kritisiert wurde vor allem der Umgang mit dem bekannten Problem seitens der Schule, da die Mutter der 13-Jährigen mehrmals beim Direktor interveniert hatte, es aber zu keinerlei spürbaren Veränderungen kam. In der folgenden Debatte in der Öffentlichkeit wurde das Projekt “Mit Grips gegen Gewalt” im Landkreis gestartet.

19.09.2004

Muldentalkreis: Zu den Landtagswahlen erhält die NPD in Sachsen 9,2% und hat somit 12 Sitze im Parlament. Im Muldental bekommen sie 10,0% im Wurzener bzw. 9,6 % im Grimmaer Wahlkreis bei den Listenstimmen. In der Stadt Wurzen 11,7% bei den Direktstimmen, in Thallwitz (8 km von Wurzen) 13,3%, in Mutzschen (18 km von Wurzen) 16,2%.

6.10.2004

Wurzen: Der Stadtrat beschließt den Haushaltsplan 2005 mit Stimmenmehrheit aus CDU und NPD, die für den Plan stimmen, PDS und SPD dagegen. Absprachen bzw. Verhandlungen mit der “linken” Opposition, um nicht auf die NPD angewiesen zu sein, gab es vorher nicht. In der Bundesrepublik ist dies ein Novum, was kurzzeitig für Schlagzeilen und Diskussion sorgt. Es gibt zudem radikale Kürzungen vor allem im sozialen Bereich, der u.a. viele engagierte Vereine der Stadt betrifft.

Oktober 2004

Beucha: (15 km)Zu mehreren Übergriffen kam es auf dem örtlichen Friedhofsgelände und der Kirche durch randalierende Jugendliche. Sie zertrümmerten Fensterscheiben, traten eine Mauer ein, malten ein Hakenkreuz an die Fassade der denkmalgeschützten Wehrkirche. Bekannt ist, dass sich dort oft eine Clique von etwa acht Jugendlichen trifft. Ob diese Taten jedoch auf deren Konto gehen, ist noch ungeklärt. Beuchaer Bürger hingegen schalteten wegen der umgestoßenen Begrenzungsmauer die Polizei ein. "Uns sind die Probleme bekannt, wir fahren immer wieder Streife", sagt Hauptkommissar Dieter Kasprzik.

28.10.2004

Grimma: (17 km) Im Amtsgericht beginnt der Prozess gegen sieben rechte Tatverdächtige aus Wurzen und Umgebung, die den Überfall auf Jugendliche des Hohburger Jugendklubs im Sommer 2003 begangen haben sollen. Keiner der rechten machte Angaben zu den Vorwürfen.

Anfang November 2004

Wurzen/ Bundesrepublik: Auf der Naziwebseite www.schulhof.net, die die sogenannte "Schulhof-CD" bewirbt, wird als eine der sechs aufgeführten Kontakte in Sachsen Combat Wurzen mit folgender Email-Adresse genannt: (Karen-Teuber@t-online.de). Ob diese Frau existiert oder die Adresse ein fake ist, ist noch nicht zu beantworten, wobei wohl eher letzteres gilt. Die CD - nicht zu verwechseln mit der NPD-Wahl-CD - sollte an Schulen kostenlos verteilt werden. Auf der rassistischen und national-völkischen Scheibe geben sich berühmt-berüchtigte Nazibands wie Faustschlag, Endlöser, Noie Werte und der deutschtümelnde Gitarrenbarde Rennicke ein Stelldichein und werben um Anhänger. Die Lieder können auf der Homepage herunter geladen werden.

6./7.11.2004

Wurzen: In der Nacht von Samstag zu Sonntag gab es ein Anschlag auf die Bürogemeinschaft des Netzwerkes für Demokratische Kultur e.V., des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus und der Beratungsinitiative AMAL – Hilfe für Opfer rechter Gewalt in Sachsen in der Bahnhofsstraße 19 in Wurzen durch bisher unbekannte Täter. An Schaufenster und Eingangstür wurden jeweils ein Sprengsatz (sog. Rohrbomben) angebracht und gezündet. Die Sprengsätze zerstörten die Scheiben. Nur weil es sich um Sicherheitsglas gehandelt hat, haben die Sprengsätze die Scheiben nicht gänzlich zum Einsturz gebracht. Um die Bedeutung dieser Tat zu unterstreichen:

Nach Aussage des Landeskriminalamtes, welches die Ermittlungen mit Hilfe von Sprengstoffexperten aufgenommen hat, hätte der Sprengsatz bei einer Fehlzündung den oder die Täter erheblich verletzt. Außerdem muss der Tat eine längere Planungsphase vorausgegangen sein, um die Materialien für die Sprengsätze zu besorgen und sie dann zu erstellen. Dies macht u.a. deutlich, dass dies eine neue Qualität von Gewalt ist, die sich gegen Andersdenkende richtet und eindeutig politisch motiviert war. Es war eine geplante Tat und entstand keineswegs aus eine Laune heraus. Es wurde eine Ermittlungsgruppe der PD Grimma und der Soko Rex gebildet, die den Anschlag untersucht.

Ein lokales Bündnis aus NDK, AMAL, MBT, Bürgermeister Lehne, PD-Leiter Merbitz, Standortinitiative und anderen initiierten eine Unterschriftenliste in der Stadt, die den Anschlag verurteilt.

8.11.2004

Wurzen: Im Anschluss an eine Kundgebung gegen den Bombenanschlag auf das Büro des Netzwerks für Demokratische Kultur, des Mobilen Beratungsteams und der AMAL – Opferberatung in Wurzen wurde eine Gruppe junger Wurzener (ca. 12 Personen) auf dem Heimweg von 25-30 Rechten verfolgt und im Rosental angegriffen. Zwei Jugendliche wurden dabei zusammengeschlagen, verletzt und mussten ärztlich behandelt werden. Sie erstatteten später Strafantrag. Nach Angaben der Polizei wurden 16 Rechte vorübergehend in Gewahrsam genommen, aber auch einer der angegriffenen Jugendlichen. “Trotz der starken Präsenz von Polizeikräften vor Ort scheuten die Rechten nicht vor einem tätlichen Angriff zurück. Im Vorfeld hatten sich mehrere Gruppen Rechter mit insgesamt ca. 80 Personen im Stadtgebiet aufgehalten.” so eine Beraterin von AMAL - Hilfe für Betroffenen rechter Gewalt. Ob die festgenommen Rechten mit dem Überfall in Verbindung stehen, war bisher unklar.

10.11.2004

Wurzen: Zur Stadtratssitzung verabschieden alle Fraktionen bis auf die der NPD eine Erklärung, die den Sprengstoffanschlag und Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung verurteilt. In der Bürgerfragerunde verließt Sascha Wagner (mittlerweile in der Walther-Rathenau-Straße 25 gemeldet) ein NPD-Flugblatt, in welchem dem NDK unterstellt wird, ein “linksextremistischer” Verein zu sein. Das Flugblatt (s.u.) wurde anschließend verteilt. Nach etwas verhaltenem Protest aus den Fraktionen schnitt OBM Dr. Schmidt Wagner das Wort ab, da er Fragen stellen solle. Anwesend waren ca. 12 NPD-Anhänger.

Bolschewistische Gewalt in Wurzen

Wurzen – Eine andere Sichtweise als den der Systemmedien über den "Sprengstoffanschlag" von Wurzen hören wir von der NPD (datiert auf den 10.11.2004):

Linksextremistische Gewalt in Wurzen

Seit Jahren wird die Stadt Wurzen gezwungen, ein sogenanntes "Netzwerk für demokratische Kultur e. V. (NDK)" zu dulden. Niemand wollte es und niemand braucht es. Lediglich die linksextremistischen "Netzwerkspinner" hängen an ihm und saugen öffentliche Gelder in ihre Kasse. Sinn und Zweck des linksextremistischen "Netzwerkes" werden systematisch verdunkelt. Nach außen geben sich die Linksextremisten betont harmlos, oft auch lächerlich. Jetzt demaskierte sich das "Netzwerk", nachdem zwei Sprengsätze gezündet worden waren. Obwohl die Täter noch nicht ausgemacht sind, werden die Sprengsätze mißbraucht, einen absurden Rundumschlag gegen alles systemkritische und nationale in Wurzen, Sachsen und Deutschland auszuführen.

Aber die Verfolgung systemkritischer Deutscher in Wurzen durch das "Netzwerk" ist nichts neues. Altbewährte stalinistische Diffamierungsmethoden werden vom "Netzwerk" seit Jahren angewandt. Die Methode ist einfach. Alles, was ein Stalinist nicht versteht, und jeder, der den Stalinismus hinterfragt, ist "faschistisch". Für Stalinisten ist "Faschismus" ein Verbrechen. Anders ausgedrückt: die Stalinisten maßen sich an, Menschen ihre Grundrechte zu rauben. Und wer beraubt wird und wer nicht, bestimmt Herr Ingo Stange vom "Netzwerk".

Wem nutzt die Gewalt?

Angesichts dieser Lage muß die Frage gestellt werden: "Wem nutzt dieser Anschlag?" Sicherlich nicht der nationalen Opposition, in diesem Fall der Nationaldemokratischen Partei Deutschland - NPD und ihrer Fraktion im Wurzener Stadtrat.

Die LVZ vom heutigen Mittwoch meldete: "Autonome wüteten in Wurzen". Mit solchen Schlagzeilen versucht das BRD-System, linksextremistische "Netzwerke" mit ihrem kriminellen Anhang als sogenannte unpolitische "Autonome" zu verharmlosen. Und hier haben wir typische Nutznießer solcher Zündungen von Sprengstoff. Kriminelle Banden aus Leipzig, Dresden und Chemnitz, die Wurzen "zuscheißen wollen" und den Menschen dieser Stadt den Krieg erklären. Diese stalinistischen Privatmilizen rechtfertigen ihr kriminelles Treiben mit solchen Sprengstoffzündungen.

Ebenso Nutznießer dieses Anschlages sind die Damen und Herren des stalinistischen "Netzwerkes". Mit solchen Aktionen rechtfertigen sie ihre Daseinberechtigung und erschleichen sich öffentliche Gelder für ihre Angestelltenstäbe.

Der Gewalt in Wurzen ein Ende setzen!

Den Stadtratsmitglieder ist ein Sonderschreiben vom Bürgermeister Lehne zugeschickt worden. Beigefügt war dem Schreiben die Vorlage einer Unterschriftenaktion, die von ihm und der Verwaltung unterstützt wird, und eine Kopie eines Flugblattes, das auf der Demonstration am Montag den 8. November 2004 verteilt wurde. Auf der Kopie befindet sich ein Aufruf zu einer Demonstration am 27. November 2004 in Pirna. Dieses Flugblatt hing tagelang als Werbeplakat in den Schaufenstern des "Netzwerks". Jedes Stadtratsmitglied mußte bei klarem Verstand erkennen, daß die Werbung für eine militante Demonstration der "Antifa", als deutlicher Gewaltaufruf gewertet werden muß. Im Rahmen dieser Kampagne wurden zahlreiche Anschläge auf Ladenlokale in Sachsen vor allem in Dresden verübt.

Die Gewalt der stalinistischen Linksextremisten wird nicht durch schwammige Unterschriftenaktionen beendet. Der Gewalt muß entschieden entgegengetreten werden. Dazu gehört:

1. die deutliche Distanzierung von den Überfällen der stalinistischen Privatmilizbanden auf Wurzener Jugendliche.

2. der Ausgrenzungs- und Diffamierungsmethode des "Netzwerkes" muß eine klare Absage erteilt werden.

3. dem "Netzwerk" müssen alle öffentlichen Mittel gestrichen werden, es ist vollständig zu privatisieren.

Wir fordern: "Netzwerk" privatisieren, "autonome" Banden verscheuchen!

Aktion Schöner und gewaltfrei wohnen in Wurzen (ASGWW)

V.i.S.d.P.: Sascha Wagner

10.-19.11.2004

Wurzen: Im Gästebuch auf www.ndk-wurzen.de häufen sich rechtsextreme Einträge und Verschwörungstheorien zum Anschlag. Auch in Wurzen häufen sich Gerüchte, dass NDK hätte den Anschlag vom 6./7. 11. selbst verübt. Die Argumentationen sind denen der NPD sehr ähnlich. Die Junge Union Wurzen stellt einen möglichen politischen Hintergrund der Tat generell in Frage und zieht laut LVZ vom 13.11.2004 eher betrunkene normale Jugendliche in Betracht, den Anschlag begangen zu haben.

Am 11. Januar 2005 erscheint in der LVZ eine Meldung, dass es bisher keine Spuren von den Tätern gibt. Die Auswertung der am Tatort gefundenen DNA-Spur habe noch kein Ergebnis gebracht.

26.11.2004

Wurzen: Thomas P. hat ein T-Shirt in sein Online-Sortiment aufgenommen, welches an das Logo der antifaschistischen Kampagne “Schöner leben ohne Naziläden” angelehnt ist. Der Slogan heißt hier jedoch: “Schöner Leben mit Naziläden”. Über dem Motiv steht www.front-records.de. es liegt Nahe, dass er Urheber der Imitation ist. Das Shirt gibt es für 8 Euro. P. hat mittlerweile ein sehr gut etabliertes Tonstudio und bringt unter seinem Label eigene Produkte (CD, Shirts) heraus, u.a. einen Solidaritäts-Sampler “zur Unterstützung von verschiedenen nationalen Projekten” in Kooperation mit dem ebenfalls rechtsextremistischen Label PC Records heraus. Im Anfang 2005 neu gestalteten Web-Forum mehren sich Bedrohungen gegen Andersdenkende. “Rote haben Gesichter und Adressen!”

10.12.2004

Grimma: Im Amtsgericht Grimma ging der Prozess gegen sieben rechte Jugendliche wegen des Überfalls in Hohburg am 25.07.2003 zu Ende. Angeklagt waren sie wegen gefährlicher Körperverletzung. Richterin Haubold verurteilte einen Täter zu einer Einheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten (Dirk K.), einen zu zehn Monaten (Marco H.) und einen weiteren zu sechs Monaten (Thomas S.) Haft ohne Bewährung. Die vier anderen erhielten Haftstrafen zu einmal zehn (Dennis S.) und dreimal zu je sechs Monaten (Tommy G., Marcel S., Conrad K.), die allerdings alle auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Fünf mehrfach und einschlägig vorbestrafte rechte Jugendliche werden nach Jugendstrafrecht verurteilt, obwohl sie Heranwachsende sind. Tage später behaupten Jugendliche in einer Beschäftigungsmaßnahme, “das `Netzwerk´ habe die Faschos in den Knast gebracht”.

13.12.2004

Wurzen: Zum zweiten Verhandlungstag im Amtsgericht Wurzen erscheint der Angeklagte Rene M. nicht. Richter Weihmann beantragt einen Haftbefehl gegen ihn. M. war wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte angeklagt. Tage später wird M. im Amtsgericht Grimma wegen anderen Körperverletzungen zu einer Jugendstrafe verurteilt.

15.12.2004

Wurzen: In der unmittelbaren Nähe des Kebab-Imbisses am Clara-Zetkin-Platz grölen gegen 19 Uhr zwei Rechte mehrmals lautstark “Ausländer raus”. Einer ist der einschlägig bekannte Carsten R.. Vorher beschimpfen sie eine 20-Jährige Lüptitzerin als “Zecke”.

23.12.2004

Dresden/ Wurzen: Sascha Wagner wird laut Presseveröffentlichungen in Warteposition als persönlicher Mitarbeiter des NPD-Landtagsabgeordneten Alexander Delle gehandelt. Markus Müller soll Mitarbeiter bei Jürgen Schön sein bzw. werden. Die Fraktion selbst hält sich auf Anfragen hin bedeckt zu den Mitarbeitern und ihren zukünftigen Wahlkreisbüros. Diese wird es - so Informationen aus dem Landtag – in Leipzig, Dresden, Pirna, Sebnitz und Grimma als Gemeinschaftsbüros mehrerer NPD-Abgeordneten geben. So sucht die NPD derzeit in Grimma ein Büro für Landeschef Winfried Petzold und den NPD-Bundesvorstandsmitglied Jürgen Schön in einer ersten Etage sowie Wohnraum im selben Gebäude.

Ende 2004

Muldentalkreis: 2004 fanden laut dem Opferberatungsprojekt AMAL 15 rechtsextremistische Straftaten im Muldentalkreis statt. Es gab 12 Verletzte, davon drei sehr schwere, vier Sachbeschädigungen, eine antisemitische Beleidigung und zwei Bedrohungen/ Nötigungen. Zudem gab es Propaganda-Relikte, rechte Schmierereien, mindestens ein Konzert und Demonstrationen bzw. Mahnwachen. In Wurzen zählte AMAL 11 Straftaten mit 10 Verletzten, drei Sachbeschädigungen und zwei Bedrohungen/ Beleidigungen.

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