Der Wettbewerb DenkMal: Perspektivwechsel wurde noch nicht entschieden
Pressemitteilung
Am 20.12.2011 tagte erstmals die Jury zum Kunstwettbewerb DenkMal: Perspektivwechsel. Im Mittelpunkt stand die Neuinterpretation des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am Alten Friedhof in Wurzen.
Der Jury gehören an: die Ratsfrauen Kathrin Gehres-Kobe (CDU) und Steffi Ferl (SPD), Ingo Stange vom NDK, Sabine Jung (Museumsleiterin) und Ulrich Heß, alle fünf auch Mitglied desWurzener Bündnisses für Demokratie gegen Neonazismus, Jürgen Schmidt und Stadtchronist Wolfgang Ebert vom Vorstand des Geschichts- und Altstadtvereins Wurzen, Dieter Daniels, Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und ausgewiesener Fachmann im Bereich Denkmalskultur, Ilina Koralova, Kuratorin und Vorstandsmitglied im Verein Neue Auftraggeber, und Barbara Steiner, Direktorin der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst.
Die eingereichten künstlerischen Arbeiten, von Helmut & Johanna Kandl, Via Lewandowski, Michaela Melián, Judith Siegmund setzen sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am Alten Friedhof auseinander. Die Künstler und Künstlerinnen stellen dabei mit ihren Entwürfen vier unterschiedliche Wege eines neuen Umgangs mit dem historischen Denkmal des Bildhauers Georg Wrba vor. Drei davon, Helmut & Johanna Kandl, Michaela Melián, und Judith Siegmund sehen eine aktive Miteinbeziehung der Wurzener vor. Zwei Entwürfe (von Helmut & Johanna Kandl und Via Lewandowski) greifen zwar unmittelbar in die Architektur des Denkmals ein, indem Elemente hinzugefügt werden, die Substanz wird jedoch nicht beschädigt. Das von Michaela Melián vorgeschlagene Hörstück versammelt kontroverse Meinungen zum Denkmal. Alle Künstler und Künstlerinnen haben betont, dass sie ihre Entwürfe als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung gemeinsam mit den Wurzenern sehen.
Im Vorfeld waren eine Reihe von Missverständnissen aufgetaucht, unter anderem wurde angenommen, dass Denkmal würde beschädigt oder gar eingeschmolzen. Auch wurde bezweifelt, dass sich der Wunsch des Wurzener Bündnisses für Demokratie gegen Neonazismus das Denkmal vor einer Vereinnahmung durch die Neonazis zu schützen, erfüllen kann. Das Wurzener Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus, die Initiatoren und Auftraggeber des Kunstprojekts, die Vertreter der Galerie für Zeitgenössische Kunst, die das Programm Neue Auftraggeber in Sachsen durchführen, sind davon überzeugt, dass es einen Versuch wert ist. Sie wissen selbstverständlich, dass dieses Projekt allein nicht das gesellschaftliche Problem des Neonazismus lösen kann.
Eine Entscheidung hat die Jury – trotz eingehender Auseinandersetzung mit den Entwürfen – bewusst nicht getroffen. Konsens war, die Arbeiten der Künstler und KünstlerInnen nochmals zu zeigen und in Wurzen eine breite Debatte über die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum anzustoßen, entspricht es doch dem Selbstverständnis des Programms Neue Auftraggeber den Prozess der Auseinandersetzung von der Beauftragung bis hin zur Durchführung unter Miteinbeziehung möglichst vieler Wurzener zu führen. Die Ausstellung wird ab Februar 2012 im Wurzener Rathaus zu sehen sein. Genauer Ort und Zeitdauer werden derzeit vereinbart. Zum Abschluss ist eine öffentliche Diskussion mit Vertretern der Jury geplant; die beteiligten Künstler und Künstlerinnen haben ihre Bereitschaft erklärt, sich an den Debatten zu beteiligen.
Dr. Barbara Steiner, Direktorin der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst
Dr. Ulrich Heß, Wurzener Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus
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LVZ-Muldental, 04.01.2012
Bündnis räumt neue Irritationen aus
Darstellungen des Zeitplans für abermalige Ausstellung zum Kriegerdenkmal weichen voneinander ab
Wurzen (kol). Es war und ist viel von Irritationen die Rede, wenn es um das geplante Kunstwerk geht, das mit dem bestehenden Ehrenmal auf dem Alten Friedhof verknüpft werden soll. Viele Wurzener zeigten kein Verständnis für diesen Plan, zu guter Letzt fällte auch die Jury nicht wie geplant Ende Dezember ihr Urteil. Nun wurden neue Verwirrungen aus dem Weg geräumt. Denn die Darstellungen der Organisation Neue Auftraggeber, die das Vorhaben finanziert, und der Wurzener Seite über den neuen Zeitplan weichen voneinander ab. Ulrich Heß, der das Projekt initiiert und seit kurzem für das Wurzener Bündnisses für Demokratie gegen Neonazismus in dieser Sache spricht, will die Sache aber nicht überbewerten.
Bisher war immer davon die Rede, dass die Entwürfe der künstlerischen Arbeiten ab Februar noch einmal gezeigt würden. Heß bestätigte das gestern. Demnach sollen diese im Stadthaus ab Mitte Februar für zwei Monate zu sehen sein. "Erst danach wird die Jury wieder entscheiden", so Heß. "Wir wollen die Wurzener einbinden und sie in ihrer Meinung nicht festlegen. Deswegen hat sich die Jury bisher auch noch nicht dazu geäußert, welchen Entwurf wir präferieren." Auf der offiziellen Seite des Vereins Neue Auftraggeber findet sich dagegen bei der Wurzener Projektbeschreibung der Hinweis, dass die Jury bereits im März ihr Urteil fällen wird. Heß versicherte aber gestern, dass dies definitiv nicht der Fall sein wird. Sonst mache die erneute Ausstellung keinen Sinn.
Heß äußerte sich gestern auch erstmals zu der genauen Beziehung, die das Wurzener Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus zum Verein Neue Auftraggeber unterhält. Dieses fungiert offiziell als Auftraggeber des geplanten Kunstprojektes. Im Bündnis vertreten sind unter anderem das Netzwerk für demokratische Kultur (NDK) und die Stadtspitze. Das Bündnis hat laut Heß mit dem Verein Neue Auftraggeber, der Kunst im öffentlichen Raum als Mäzen finanziert, eine Vereinbarung "auf informeller Ebene".
"Das ist der große Vorteil bei diesem Projekt. So musste das Bündnis auch etwa keinen Verein gründen, um für die Finanzierung in Betracht zu kommen", sagte Heß. Einen Vertrag oder einen formalen Beschluss zum Wurzener Projekt gibt es nicht. Die Möglichkeit, aus einem Projekt auszusteigen, ist bei der Teilnahme an der Förderung durch die Neuen Auftraggeber auch nicht vorgesehen.
Kai Kollenberg

Im April will die Jury eine Entscheidung treffen: Dann soll über ein zusätzliches Element für das Kriegerdenkmal befunden werden. Foto: Andreas Röse
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