Erzähl mal! Mein Schatz.

Schatzsuche

Wir möchten Wurzens verborgene Schätze heben. Machen Sie sich mit offenen Augen u. Ohren auf die Suche nach Geschichten, Gegenständen und Orten, erzählen Sie uns von Ihrem Schatz!
Mehr Informationen + Kontaktformular: www.schatzsuche-wurzen.de

Kriegerdenkmal bleibt unversehrt

Organisatoren des Projektes "Neue Auftraggeber" beruhigen Wurzener Einwohner

Wurzen. An der geplanten Kunstaktion im Rahmen des Projektes "Neue Auftraggeber", die sich mit dem Kriegerdenkmal befassen soll, gibt es Kritik. Viele Wurzener befürchten, dass das Mahnmal beschädigt werden könnte. Die Organisatoren versuchen diese Bedenken zu zerstreuen.

Ein geplantes Kunstwerk erhitzt schon jetzt die Gemüter. Noch weiß niemand, welche Ideen die Künstler präsentieren werden, die sich mit dem Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof auseinandersetzen sollen. Doch die Kritik in der Bevölkerung ist groß: In den vergangenen Tagen gab es sowohl in der LVZ-Redaktion als auch bei den Organisatoren des Projektes mehrere Anrufer, die ihren Unmut äußerten. Sie hatten ein Bedenken: Dass das Denkmal angerührt, dass es möglicherweise durch die Kunst beschädigt werden könnte. Auch Ilina Koralova, Kuratorin in der Galerie für Zeitgenössischen Kunst, die den Kontakt zwischen Wurzen und den ausgewählten Künstlern hält, hat von diesen Bedenken gehört. Sie kann aber beruhigen: "Das Denkmal wird nicht angetastet. Niemand hat die Absicht, es zu verändern", sagte sie gestern dieser Zeitung. "Das Kriegerdenkmal bleibt genauso erhalten, wie es ist."

Die Werke der Künstler, die aktuell Entwürfe für die Stadt anfertigen, sprechen ebenfalls dagegen, dass das Ehrenmal auf dem Alten Friedhof in Mitleidenschaft gezogen wird. Judith Siegmund, die als Professorin an der Universität der Künste in Berlin arbeitet, lässt in ihrer Arbeit die Bürger selbst zu Wort kommen. Sie hat beispielsweise während des G8-Gipfels in Heiligendamm Zitate von Demonstranten und Geräusche gesammelt. In Weißenfels interviewte sie Leute zu ihrer Assoziation des Begriffs "Arbeit" und verwob diese zu einer Ton-Collage.

Auch Michaela Melián arbeitet vor allem mit Akustik. In München hat sie beispielsweise für mehrere Punkte im Stadtgebiet sogenannte "Memory Loops" entwickelt. Es sind kleine Hörspiele mit Zeitzeugenerinnerungen und atmosphärischer Musik. Der Nutzer kann sie im Internet herunterladen und dann vor Ort in die Geschichte eintauchen.

Via Lewandowsky aus Berlin hat für den öffentlichen Raum bereits mehrere Installationen kreiert, die sich mit der kollektiven Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzen. So ist er zum Beispiel für die Demokratieglocke auf dem Leipziger Augustusplatz verantwortlich. Das Künstlerehepaar Helmut und Johanna Kandl beschäftigt sich ebenso mit der Erinnerungskultur. In ihren Videos spielen sie mit Fakten und Fiktion, um zu einer völlig neuen Betrachtungsweise zu kommen. In Wien haben sie so eine ersponnene Biografie bestehend aus Interviews, Videos und Installationen geschaffen, die an eine imaginär, zukünftige Nobelpreisträgerin erinnert.

"Egal, was die Künstler für Wurzen erarbeiten", sagt Koralova. "Es sind nur Entwürfe und Diskussionsanregungen." Die Bürger könnten selbstverständlich deutlich machen, welches Kunstwerk sie bevorzugen.Kai Kollenberg

 

Keine Kunst am Denkmal: Das Ehrenmal bleibt laut der Organisatoren des Kunst­projektes so erhalten, wie es ist. Foto: Andreas Röse

Kommentare

Kommentar schreiben

«zurück zur Übersicht