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Kunstobjekt Kriegerdenkmal

Aktion gegen Vereinnahmung durch Neonazis

Wurzen. Kunst gegen Rechtsextremismus: Dies ist das Ziel einer un­gewöhnlichen Aktion. Verschiedene Künstler haben sich dabei mit dem Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof auseinandergesetzt. Ihre Ideen, die sich alle gegen die Verein­nahmung von Kriegstoten durch Rechtsextreme richten, sollen in einer Ausstellung in der Städtischen Galerie präsentiert werden.

Eine traurige Tradition ist in den vergangenen Jahren in Wurzen entstanden: Jeden Volkstrauertag gehen Wurzener Bürger auf die Straße, um sich dagegen zu wehren, dass Neonazis durch die Stadt ziehen und vor dem Kriegerdenkmal die Wurzener Gefallenen der Weltkriege für ihre Propaganda nutzen. Das Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus, das die Stadtverwaltung mit Akteuren der Zivilgesellschaft - wie dem Netzwerk für Demokratische Kultur - gegründet hat, rief zwar immer zu einer eigenständigen Demonstration auf, um den Rechtsradikalen etwas entgegensetzen zu können. Dennoch suchten die Verantwortlichen nach anderen Wegen, um ihr Ziel bekannter zu machen. Sie haben es in der Initiative "Neue Auftraggeber" gefunden.

Dabei handelt es sich um eine französische Initiative, bei der Künstler durch Vereine, Bürger, Händler oder Dorfgemeinschaften - sprich: Personen abseits der Eliten oder des Kunstbetriebes - für einen bestimmten Zweck beauftragt werden. Sie schaffen dann eine Skulptur für einen Platz oder werten ein altes Waschhaus in einem französischen Dorf auf. Die Finanzierung übernimmt die Initiative. Seit ein paar Jahren ist dieses Projekt auch in Deutschland präsent.

Zuständig für die hiesige Koordination ist unter anderem die Kuratorin der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst, Ilina Koralova. Sie wurde vom Wurzener Bündnis angesprochen. Den Mitgliedern schwebt ein Kunstwerk vor, dass das Kriegerdenkmal und die Propaganda der Neonazis voneinander abgrenzt. Welche Form es haben soll, ist noch vollkommen unklar. Die Künstler, die Entwürfe zu diesem Thema ausarbeiten stehen aber bereits fest. Es sind Judith Siegmund aus Berlin, Helmut und Johanna Kandl aus Wien, Michaela Melián aus München und Via Lewandowsky aus Berlin. "Alle haben schon Arbeiten für den öffentlichen Raum entworfen", sagt Koralova. Das Spektrum der Arbeiten ist allerdings weit: Es reicht von Installationen über Skulpturen bis hin zu Lichtarrangements. "Uns war aber wichtig, dass sie sich dieses heikle Thema zutrauen", so die Kuratorin. So haben viele der Künstler schon Werke zum Thema Vergangenheitsbewältigung gefertigt.

Die Entwürfe werden vom 13. bis zum 27. November in der Städtischen Galerie präsentiert. Danach wird eine Jury, die aus Mitgliedern des Wurzener Bündnisses und aus Kunstexperten wie Professor Dieter Daniels von der Hochschule für Grafik und Buchkunst besteht, eine Arbeit auswählen. Sie soll dann im kommenden Jahr in Wurzen realisiert werden. Kai Kollenberg

 

Im Spiegel der Kunst: Mit dem Kriegerdenkmal haben sich mehrere Künstler auseinandergesetzt. Ihre Entwürfe werden in der Städtischen Galerie gezeigt.Foto: Andreas Röse

Kommentare

"Um sich gegen Neonazis zu wehren"? Ich bezweifle, dass dies der Grund ist, aus dem die "Wurzener Bürger" an diesem bekloppten "Volkstrauertag" auf die Straße gehen.

rolf am 15.10.2011 13:54

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