Ausstellung vom 21.08. - 26.09.2010 in der Klosterkirche Grimma
Anmeldungen: 03437 - 942214
www.mtl-tolerant.de
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Alle zwei Jahre dokumentieren wir Projekte und Veranstaltungen des NDK ausführlich in gedruckter Form. Das aktuelle Exemplar, die Chronik 2007/2008, schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Ein kurzer Anruf, eine Mail oder Postkarte genügt!
Trotz Nestbeschmutzer-Vorwürfen: Netzwerk für Demokratische Kultur feiert zehnten Geburtstag
Wurzen. „Obwohl es hier kaum Moslems gibt, wünschte ich euch zum zehnten Geburtstag ein Minarett auf das D 5“, lacht Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Der Mitautor der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gratulierte dem Netzwerk für Demokratische Kultur am Wochenende zum Jubiläum und ermutigte auch weiter zu „gesundem Nonkonformismus“. Es sei gut, wenn es einen solchen Verein gibt, der die Öffentlichkeit auch mal irritiert: „Irritation rüttelt Menschen wach.“
Ingo Stange, Netzwerk-Aktivist der ersten Stunde, sieht enorme Fortschritte bei der Herausbildung der Zivilgesellschaft. Er erinnert an die gewalttätigen Auseinandersetzungen und Übergriffe in den 90-er Jahren: „Andersdenkende, Andersaussehende, Andersliebende – keiner traute sich mehr irgendwohin. Die Nazis bewegten sich ungestört und versuchten, die Straße zu kontrollieren.“ Netzwerker Stephan Meister: „Wurzen galt als deutschlandweit erste so genannte national befreite Zone.“ Dagegen begehrten junge Wurzener auf. In einer Hinterhof-Fahrradwerkstatt der Karl-Marx-Straße mieteten sie sich ein und bastelten an mehr Demokratie für Wurzen. Am 9. Dezember 1999 gründeten sie das Netzwerk. „Und zwar gegen Widerstände der Stadt. Der damalige Oberbürgermeister wollte weder uns anerkennen noch die Tatsache eines besonderen rechtsextremen Problems“, sagt Meister. Dieses beharrliche Verdrängen, so der Netzwerker, führte zu deutschlandweiter Aufmerksamkeit. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wurde im Jahr 2000 zwar nicht im Rathaus empfangen, dafür aber um so herzlicher in der Fahrradwerkstatt. Im Rahmen des „Aufstands der Anständigen“ war das Netzwerk eine der ersten Initiativen gegen Rechtsextremismus, die Förderung aus dem Bundesprogramm „Civitas“ erhielt. Noch im gleichen Jahr gab es die Theodor-Heuss-Medaille.
Als Neonazis in Wurzen die Crew eines Hipp-Hopp-Konzertes überfielen, sorgte eine Mail vom Tatort für einen bundesweiten Aufschrei. Die „Zeit“, der „Stern“ und die Amadeo-Antonio-Stiftung initiierten eine Spendenaktion. Mit dem Erlös von 50 000 Euro kaufte der Verein 2003 das damals leerstehende Haus am Domplatz 5, das jetzige D 5. Die 60 Ehrenamtlichen und Workcampteilnehmer leisteten 12 000 freiwillige Aufbaustunden. 2006 war Eröffnung. Kino, Lesungen, Konzerte und Bildungsreisen – Andreas Zick von der Uni Bielefeld nennt das Wurzener Projekt vorbildhaft für ähnliche Initiativen. Der junge Spanier Antonio Grunfeld weilte als Freiwilliger ein Jahr in Wurzen. In der Medienwerkstatt des Netzwerks produzierte er seinen Film über das KZ Dachau. Im D 5 gab es die Antisemitismus-Ausstellung, hier wird der alljährliche Gedenkmarsch von Borsdorf nach Wurzen geplant, hier nahm der Stadtspaziergang mit Ringelnatz seinen Anfang.
WRC-Geschäftsführer Eberhard Lüderitz hofft auf weitere zehn erfolgreiche Netzwerk-Jahre, Oberbürgermeister Jörg Röglin besucht die Podiumsdiskussion und Stephan Meister kündigt an, trotz Nestbeschmutzer-Vorwürfen kein bisschen leise zu werden. Stadträtin Kathrin Gehres-Kobe von der CDU-Fraktion spricht aus, was bei der Feierstunde viele denken: „Wir brauchen diesen ungeliebten Rufer in der Wüste – den Propheten, auch wenn er im eigenen Lande nichts wert ist.“ Also doch ein Minarett? Haig Latchinian
Quelle: LVZ-Muldentalkreis, 07.12.2009
Bürgerzentrum
Wurzen (db). Das Netzwerk für Demokratische Kultur (NDK) Wurzen feiert am Wochenende seine erste Null. Seit zehn Jahren setzt sich das NDK mit Projekten und Veranstaltungen für mehr Bürgerengagement und eine starke Zivilgesellschaft in Wurzen und Umgebung ein. Man habe es nach zehn Jahren geschafft, von einem zarten, ungeliebten Pflänzchen zu einem kräftigen, in der Stadt fest verankerten und vom Engagement vieler Bürger getragenen Baum zu werden, heißt es in einer NDK-Bilanz.
Morgen und Sonntag laden die Netzwerker, die seit Juni 2006 das Kultur- und Bürgerzentrum am Domplatz 5 betreiben, alle demokratisch gesinnten Bürger ein, das Jubiläum mit zu feiern. Los geht es morgen 14 bis 16.30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion – Motto „Zehn Jahre Gemeinwesenarbeit in Wurzen – ein Rück- und Ausblick auf die Arbeit des NDK und die Veränderungen in der Stadt“. Im Podium sitzen NDK-Mann Stephan Meister, Solveig Höppner vom Mobilen Beratungsteam/Kulturbüro Sachsen als langjährige Begleiterin des NDK, Stadträtin Kathrin Gehres-Kobe sowie Prof. Andreas Zick von der Uni Bielefeld. Moderiert wird die Veranstaltung von MDR-Figaro-Reporter Bastian Wierzioch. Ab 20 Uhr startet die Party mit DJ Hip Bone, der Funk, Soul und Raggae auflegen wird.
Am Sonntag wird von 10 bis 14 Uhr zum Bürgerbrunch geladen, der Köstlichkeiten bereit hält. Besucher können sich im Haus umsehen und die Ausstellung „Zehn Jahre NDK“ betrachten.
Quelle: LVZ-Muldentalkreis, 04.12.2009
