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Rotwein zum Ringelnatzgeburtstag

Natias Neutert lockt Gäste zur langen Poetry-Nacht ins Wurzener Bürger- und Kulturzentrum D5

Wurzen (ch). Er gilt als Wortakrobat, als einer, den die Musen geküsst haben – Natias Neutert. Schon beim Ringelnatzsommer 2008 begeisterte der Ex-DJ, Sänger, Musiker und Dichter das Wurzener Publikum. Jetzt war er wieder da.

Am Domplatz 5 wollte er am Freitagabend mit Wurzenern und Gästen Ringelnatz’ Geburtstag feiern. Mit Geschichten, Gedichten und New-Orleans-Stimmung sollte die Lange „Poetry-Nacht“ ein kurzweiliges Erlebnis werden. Das Wetter ließ zu, den Abend unter freiem Himmel zu genießen. Das hatte Flair.

Vielleicht aber lockten wegen des lauen Sommerabends auch rundum reichlich Alternativen. Denn Lust auf Rotwein oder Apfelsaft und die Mixtur aus Rezitationen, Gesang und eigenen Geschichten hatte nur ein Dutzend Besucher.

Die beruhigte Neutert nach reichlich 30 Minuten auch gleich. Angst müsse niemand haben, der wegen Ringelnatz gekommen sei, dass dieser bei ihm unter den Tisch falle. Ringelnatz gebe es noch – ausreichend.

Doch zunächst entführte er die Zuhörer mit eigenen, in eine spannende Geschichte gepackten Erlebnissen, nach Haiti. Auf Zombie-Suche war der Hamburger dort. Die Sprache, mit der er seine Hoffnungen, Ängste und Eindrücke schilderte, machte durchaus Lust darauf, mehr von ihm zu lesen.

Der etwas eigenwillige Aufbau des Abends hingegen ließ ein Eintauchen nur schwerlich zu. Es sei denn, Gast war dazu aufgelegt, abrupte Sprünge zwischen Südseeinsel und Hamburg, zwischen Rückkopplungen am Mikro und Ausschalten des Ganzen mitzuhopsen. Mancher Einwurf reizte durchaus zum Schmunzeln. Die Spontaneität, mit der er Einflüsse wie die probenden Posaunen im Dom nebenan, Gäste oder das eigene Bedürfnis, etwas zu trinken, mit Rezitationen oder Erzählungen verflocht, ließen Nähe zu. Ein wenig überstrapazierte Stehgreifunterhaltung riss aber auch den Faden des Programms.

Zweifel an Natias Neuterts Multi-Begabung kamen indes nicht auf. Ebenso stellte niemand seine enge innere Bindung zu Ringelnatz in Frage. Als er den nämlich rezitierte, war das Leuchten spürbar. Und als er zudem noch eigene Wortschöpfungen anfügte, wurden Parallelen zum Geburtstagskind des wohl bekanntesten Wurzener Sohnes deutlich.

Quelle: LVZ/MTL, 10.08.2009

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