Sesam ist gewöhnungsbedürftig
Anne-Frank-Ausstellung: Muldentaler Schüler tauchen ein in jüdische Kultur
Grimma (rd). Was ist ein Teffilin, welche Bedeutung hat die Kippa, worin unterscheiden sich Jom Kippur- und Pessachfest und wie schmeckt eine koschere Hühnersuppe - Fragen, auf die Schülerinnen und Schüler aus Bildungseinrichtungen des Landkreises Leipzig in diesen Tagen Antworten in der Grimmaer Klosterkirche fanden.
Im Rahmen des Projektes "Miteinander Tolerant Leben" des Lokalen Aktionsplanes gab das derzeit in Grimma weilende israelische Ehepaar Maritta und Josef Zuberi unter dem Motto "Jüdische Kultur erleben" Einblicke in die jüdische Lebensart und Religion. "Ich war und bin der Meinung, dass auch dieser Aspekt des Judentums in eine solche Veranstaltungsreihe hinein gehört, und meine Sichtweise wurde geteilt", so Heike Schüürmann vom Verein Kinderzeit. Und so konnten sich die Schüler und Schülerinnen nicht nur über die Rituale der jüdischen Religion informieren, sondern darüber hinaus auch typisch jüdische Speisen wie eine von den Zuberis zubereitete Hühnersuppe, "Hummus" - ein Kichererbsenmus - sowie Sesam probieren. "Das Erbsenmus habe ich schon einmal irgendwo probiert, aber der Sesam ist, wenngleich interessant, so doch gewöhnungsbedürftig", gestand Matthias Röthig, Schulsozialarbeiter am Brandiser Gymnasium.
Insgesamt zeigten sich die Schüler und Schülerinnen offen für die Angebote in und vor der Klosterkirche, was sicherlich auch mit der Vermittlung der Inhalte der Anne Frank-Ausstellung innerhalb jener zu tun hatte. Denn getreu dem Motto "Schüler begleiten Schüler" wurden die Mittelschüler und Gymnasiasten von Gleichaltrigen durch die Schau geführt. "Das Feedback ist durchgehend positiv", so die Belgershainerin Vivien Bach. "Wir arbeiten im Gegensatz zu Museen und anderen Ausstellungen mehr mit Bildern und Fakten als mit Zahlen, weil wir glauben, auf diese Weise zu erreichen, dass mehr hängen bleibt", so die 16-Jährige. "Außerdem zeigen die Jugendlichen im Kontakt zu uns weniger Scheu, Fragen zu stellen, als dies gegenüber Erwachsenen der Fall wäre", so Bach, die sich um die Führungstätigkeit trotz der Tatsache beworben hatte, dass der Unterrichtsausfall aufgeholt werden muss. "Das ist mir dieser Job wert."
Zumal in diesem Langeweile nicht aufkommen dürfte. "Wir haben zwar ein solch großes Interesse seitens der Schulen an unserem Angebot erhofft, aber nicht wirklich erwartet", so Ulrike Läbe vom Projektträger AWO Familienzentrum gGmbH, der zufolge nicht nur Mittelschulen und Gymnasien, sondern auch Förderschulen und sogar die Azubis der Leipziger Nationalbibliothek ihr Interesse bekundet hätten.
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