Wurzener gedenken der Toten
Feier auf dem Domplatz mit rund 100 Teilnehmern spricht sich gegen Schrecken des Krieges aus
Wurzen. Gestern Abend haben rund 100 Wurzener der Toten der beiden Weltkriege gedacht: Nach einer Kranzniederlegung am Denkmal auf dem Alten Friedhof wurde auf dem Domplatz mit kurzen Reden an die Schrecken des Krieges erinnert.
Es war ein stiller Zug, der gegen 17 Uhr vom Domplatz zum Alten Friedhof ging. Kurzfristig war der Gedenkveranstaltung, die das Netzwerk für Demokratische Kultur angemeldet hatte, erlaubt worden, vor dem Denkmal für die Gefallenen einen Kranz niederzulegen. Rund 100 Wurzener waren gekommen, um der Veranstaltung beizuwohnen, die an die Schrecken des Krieges und den Frieden erinnern wollte. Sie sollte auch ein Zeichen gegen die Demonstration der rechtsextremen Szene sein, die zur gleichen Zeit in der Stadt abgehalten wurde. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte einem Eilantrag stattgegeben, der die Auflagen des Landkreisamtes vom Donnerstag zurücknahm. Die Rechtsextremen zogen begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot durch Wurzen.
"Ich weiß, dass es für viele schwer nachzuvollziehen ist, weshalb eine Demonstration dieser Art nicht verhindert werden kann", sagte Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) bei einer kurze Rede vor der Kranzniederlegung. "Es ist auch für mich nur ein schwacher Trost, dass verhindert werden konnte, dass die Nazis an diesem stillen Gedenktag mit Trommeln und Fackeln durch die Stadt ziehen." Röglin sah dennoch ein positives Signal: Er sei überzeugt, dass es den Wurzenern gelingt, den Rechtsextremen die Lust zu nehmen, die Muldestadt zu ihrer Spielwiese zu machen. Dabei müsste man vor allem diejenigen mitnehmen, die Angst oder Zweifel zeigten. "Sie sollen erkennen, dass sie nicht gegen etwas sein müssen - sondern für ihre Stadt", so Röglin. Zugleich appellierte der Oberbürgermeister an seine Mitbürger sich an der Aufarbeitung der Weltkriegsgeschichte zu beteiligen: "Sorgen Sie mit dafür, dass gerade die Jugend über die persönliche Bindung hört, was die Ahnen zu erzählen haben."
Die eigentliche Gedenkfeier fand danach auf dem Domplatz statt. Hier sprachen Politiker aller Parteien sowie Vertreter der Kirche und des sozialen Lebens in Wurzen. Alle mahnten, dass Krieg sich nicht wiederholen dürfe, alle sprachen sich gegen eine Glorifizierung der Gefallenen aus. Scharf kritisierten sie dabei immer wieder die zeitgleiche Veranstaltung der Rechtsextremen: "Was sind das denn für Helden, derer sie gedenken?", fragte etwa Grünen-Landtagsabgeordneter Miro Jennerjahn: "Es ist die Wehrmacht, und es ist die Waffen-SS." Kai Kollenberg
Kommentare
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Kritikpunkte:
- Extremismus(-theorie) kritisch hinterfragen
- Nazis durch solche Veranstaltungen Lust nehmen sich Wurzen zu "Spielwiese zu machen" wird so auf jeden Fall nicht funktionieren
- das die Nazis marschieren (egal ob mit oder ohne Fackeln und Trommeln) ist schlecht und nicht schönzureden
Steven am 15.11.2010 13:16
Na, von der Extremismustheroie ist in dem hier dokumentierten LVZ-Artikel ja gar nicht groß die Rede (bis auf die Begrifflichkeit "Rechtsextreme"). Bedenklicher ist, dass der Eindruck erweckt wird, auf der einen Seite gebe es "die Wurzener" und auf der anderen Seite "die Rechtsextremen" (okay, das hat doch etwas mit Extremismusformel zu tun). Immerhin sind ja auch unter den Neonazis welche aus Wurzen. Wer da genau demonstriert hat ("Freies Netz"-Strukturen und die damit verbandelte JN Sachsen und eben auch deren Wurzener "Stützpunkt) und wie deren Aufmarsch aussah (nicht mal die Teilnehmerzahl wird genannt), was sie in ihren Reden vom Stapel gelassen haben - das bleibt in dem Artikel leider völlig im Dunkeln. Vogel-Strauß-Journalismus, würde ich mal sagen.
Frank am 15.11.2010 13:56