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Wurzens letzter jüdischer Zeitzeuge gestorben

Wolfgang Manfred Goldschmidt überlebte Auschwitz und Buchenwald

Wurzen (r). Wolfgang Manfred Goldschmidt, nach Recherchen des Netzwerks für demokratische Kultur (NDK) der letzte in Wurzen geborene Überlebende des Holocausts, ist tot. Er starb bereits am 30. November 2010 in St. Etienne, wie seine Familie mitteilte.

Goldschmidt wurde am 1. Juni 1924 in Wurzen geboren und lebte bis Ende 1938 in der Stadt. Seine Eltern besaßen ein damals bekanntes Herrenkonfektionsgeschäft in der Jacobsgasse. Die jüdische Familie war ab 1933, wie alle deutsche Juden, den Repressionen und Verboten der Nationalsozialisten ausgesetzt. So mussten sie bereits vor der Pogromnacht am 9. November 1938 ihr Geschäft an "Arier" verkaufen. Während jener entsetzlichen Nacht wurden Goldschmidt und sein Vater zusammen mit weiteren Wurzener Juden verhaftet, sein Vater anschließend in das KZ Sachsenhausen gebracht. Wahrscheinlich durch Kontakte zum Umfeld des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters Goerdeler, konnte Manfreds Mutter ihren Mann wenig später frei bekommen. Nur wenige Wochen danach emigrierte die Familie nach Holland und nach dessen Besetzung durch die Nazis weiter nach Paris. Manfreds Schwester Liselotte musste Wurzen krankheitsbedingt bereits Mitte der 30er Jahre verlassen und lebte bis zu ihrem Tod 1968 in England.
Nach dem Einmarsch der Deutschen in Paris wurde Manfred mit seinen Eltern verhaftet, in das berüchtigte Sammel- und Durchgangslager Drancy und im März 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Vater und Mutter wurden in den Gaskammern umgebracht. Der 19-Jährige musste im Auschwitzer Lager Monowitz für die IG Farben schuften. Mit dem Näherrücken der Roten Armee wurde er wieder zurück nach Deutschland gebracht, wo er schließlich im KZ Buchenwald durch amerikanische Truppen befreit wurde. Er war einer der wenigen Wurzener, die den Holocaust überlebten. In seine Heimatstadt wollte er nicht zurückkehren, ebenso wenig in Deutschland bleiben, also ging er wieder nach Frankreich. Dort lernte er seine spätere Ehefrau kennen, mit der er zwei Kindern hatte.
Erst mit dem Fall der Mauer betrat Goldschmidt wieder Wurzener Boden und besuchte die Stadt mehrere Male. In einem Gespräch mit ihm vor einigen Jahren in Wurzen antwortete er auf die Frage, wo er denn heute seine Heimat sehe: "Na hier. Ich bin doch hier geboren." Das NDK hatte eigentlich geplant, Goldschmidt im Zusammenhang mit einem Projekt zu interviewen. Stattdessen erhielten die Aktiven die Nachricht von seinem Ableben. Vertreter des Vereins kündigten jetzt an, Goldschmidt ein ehrendes und bleibendes Andenken in Wurzen zu bewahren.

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Wolfgang Manfred Goldschmidt in der Wurzener Jacobsgasse.  Foto: NDK
Wolfgang Manfred Goldschmidt in der Wurzener Jacobsgasse. Foto: NDK