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Dokumentation 2007/2008
Campanella 2004
Von Rehlovice nach Wurzen - die tschechisch-polnisch-österreichisch-deutsche Jugendbegegnung Campanella machte im August 2004 Station im D5.
Four More Years! – Das wünschen sich nicht nur Politiker am Ende einer Legislaturperiode, so lautete auch das Fazit bei der mit Unterstützung des EU-Programmes „Jugend für Europa“ nun bereits zum vierten Mal zelebrierten Jugendbegegnung Campanella. Die wenigsten Teilnehmer waren bereits vor drei Jahren in Rehlovice (Tschechische Republik) dabei, als erstmals 28 Jugendliche aus Tschechien, Polen, Österreich und Deutschland auf einem Kulturbauernhof zusammen kamen, um für zwei Wochen miteinander zu leben, zu lernen, zu arbeiten und zu feiern. Aber das war von den Initiatoren ja auch gar nicht so beabsichtigt. Frisches Blut tut schließlich gut! Die personellen Kontinuitäten – oder einfacher gesagt: Freundschaften – erwiesen sich immerhin als stark genug, um Campanella wie geplant in jedes der beteiligten Länder zu führen. Nach Rehlovice in Tschechien, St. Florian in Österreich und dem polnischen Oswieciem (Auschwitz), wo die Jugendlichen im Vorjahr u.a. den jüdischen Friedhof gepflegt hatten, war im August 2004 das sächsische Wurzen an der Reihe.
Das NDK war von Anfang an als Projektpartner bei Campanella beteiligt und diesmal direkt für die Organisation des Camps verantwortlich. Bereits Anfang des Jahres hatte sich ein Projektteam mit Michaela Friedrich als Koordinatorin gebildet und im Mai zum Vorbereitungstreffen nach Wurzen geladen. Workshops und Freizeitaktivitäten wurden organisiert, beim EU-Aktionsprogramm „Jugend für Europa“ ein Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt, Fahrräder erbettelt, nach langer Suche mit dem alten Wohnheim der Wurzener Nahrungsmittel GmbH auch eine passable Unterkunft mit Retro-Charme aufgetan und mit Hilfe der Abiturienten des Evangelischen Schulzentrums in Leipzigs eine erfolgreiche Workcamp-Generalprobe durchgeführt. Trotzdem blieb ein mulmiges Gefühl: Haben wir wirklich an alles gedacht? Werden sich all die schönen Pläne in der Wirklichkeit bewähren? Und ist Wurzen überhaupt bereit für 14 Tage Campanella?
Der August war dann schneller da, als gedacht. In der letzten Juli-Woche wurden noch mal alle greifbaren Organisatoren zusammengetrommelt, um den Stand der Vorbereitungen zu checken. Aber viel konnte man jetzt eh nicht mehr tun. Die restlichen Vorarbeiten wollten wir am Montag vor dem Eintreffen der Teilnehmer erledigen. Zwei Kühlschränke, ein Regal, Teller, Besteck und ein erster Nahrungsmittelschub mussten ins Wohnheim transportiert werden. Ganz zu schweigen von Daves Katzen und tausend anderen Kleinigkeiten. Bei der ersten Kühlschranktour wurden wir von Maciek aus Polen begrüßt – soviel also zu unserer Theorie, dass die ersten Teilnehmer erst am Abend eintreffen. Dabei waren unsere beiden Europäischen Freiwilligen Anne und Grzegorz gerade erst dabei, den Weg von Bahnhof zur „Kekse“ mit Papp-Pfeilen auszuschildern. Das Wohnheim auf dem Gelände der Keksfabrik ist nämlich selbst vielen langjährigen Wurzenern kein Begriff mehr. Aber Maciek hatte die quasi in letzter Minute zusammengestoppelte Wegbeschreibung erhalten und sich damit auf eigene Faust durchgeschlagen: „No problem!“ Anders als für Hans aus Österreich, der mit seinem Auto erst auf dem Domplatz vorfuhr und sich dann mit Hilfe mehrerer Telefonate zum Wohnheim dirigieren lassen musste.
Zur schnelleren Fortbewegung vor Ort dienten gespendete oder geliehene Fahrräder. Damit ging’s vom Wohnheim zum Domplatz, wo viele Workshops statt fanden, Mittag gegessen wurde und in der Kulturbar „KuBa 5plus“ auch öfter die Abende ausklangen. Aber auch verschiedene Steinbrüche in der Umgebung ließen sich damit gut erreichen, wo man baden oder sich am Klettern versuchen konnte. Schließlich wurden die Räder auch zum ersten Tagesausflug nach Leipzig mitgeschleppt, wo wir das Stasi-Museum in der „Runden Ecke“ besuchten. Auf dem Rückweg machten wir einen Zwischenstopp in Machern und besichtigten eine bis 1989 geheime Bunkeranlage der Staatssicherheit. Zuvor hatte uns bereits die Leipziger EU-Abgeordnete Gisela Kallenbach (Bündnis90/Grüne) auf dem Domplatz von ihren Erfahrungen in der DDR und während der friedlichen Revolution berichtet, ebenso von ihrer Zeit als UN-Mitarbeiterin im Kosovo und der Arbeit im Europäischen Parlament. Eine Woche später nahmen wir uns einen ganzen Tag Zeit für die Europäische Union, der seit dem 1. Mai 2004 ja auch Polen und die Tschechische Republik als gleichberechtigte Mitglieder angehören. Im Europa-Haus Leipzig beleuchteten wir das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln, bevor wir mit dem Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl (SPD) über Probleme und Chancen des europäischen Projekts diskutierten.
Ganz praktisch lernten die Teilnehmer ihre Nachbarländer aber während der vier sogenannten Länderabende kennen. Den Vogel schossen dabei unsere österreichischen Freunde ab, die den steilen Hang zum Domplatz kurzerhand zu den Alpen umfunktionierten und uns dort verschiedene Ereignisse aus der österreichischen (Mythen-)Geschichte nachspielen ließen … Was die Jugendlichen tagsüber so angestellt hatten, erfuhren die Wurzener dann spätestens beim Abschlussfest am 14. August. Dazu hatten wir die Bands Feher Fekete Kerek aus Tschechien, Pig-Up aus Wurzen und Aggresywny Plaster aus Polen eingeladen. Bevor diese aufspielten, wurden die Ergebnisse der Workshops präsentiert: Ein farbenfrohes Mosaik im zukünftigen Veranstaltungskeller des Kultur- und BürgerInnenzentrums D5, eine Stahlskulptur in Form einer einladenden Hand und vier selbst geschreinerte Bänke, die ebenso in D5 ihren Platz finden werden. Die Teilnehmer hatten auch beim andauernden Umbau des Hauses mit Hand angelegt. Einen poetisch-dokumentarischen Blick auf die zurückliegenden Tage lieferte ein begeistert aufgenommener Film, der ebenfalls im Rahmen eines Workshops entstanden war.
Vom Erfolg der Begegnung zeugen nicht zuletzt fortdauernde persönliche Kontakte. Obwohl das ursprüngliche Vorhaben, Campanella in alle vier Länder zu bringen, nun erfüllt ist, soll es weitere Treffen dieser Art geben. Darin stimmten Teilnehmer wie Organisatoren überein. Ob unter dem Label Campanella oder in einer anderen Form wird sich zeigen.
Zitate einiger Teilnehmer:
Only a few times it happened to me that I forgot all my troubles and just enjoyed the moment. It already happened here ... I thank you all for such special 2 weeks ... So, see you next time! (Jarka)
Vielen Dank für die wunderbaren Tage hier in Wurzen. Diese haben mir wirklich Spaß gemacht, ich hoffe, wir werden die Möglichkeit haben, uns nochmal zu treffen. Ich wünsche euch alles Gute. Ich habe so nette Menschen schon lange nicht mehr kennengelernt. (Andrea)
Danke für ALLES, was IHR für uns getan habt! Ihr wart SUPER NETT und es hat uns sehr viel Spaß gemacht, was ihr für uns vorbereitet habt. Macht es gut … (Jarmila)
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- Campanella Mosaik-Workshop