Dokumentation 2007/2008

Alle zwei Jahre dokumentieren wir Projekte und Veranstaltungen des NDK ausführlich in gedruckter Form. Das aktuelle Exemplar, die Chronik 2007/2008, schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Ein kurzer Anruf, eine Mail oder Postkarte genügt!

Dokumentation "Dachau nach 63 Jahren"

Dachau nach 63 Jahren ist ein Dokumentationsfilm des ehemaligen Europäischen Freiwilligen Antonio Grunfeld über neun Überlebende des Konzentrationslagers Dachau.

Sie kommen aus der ehemaligen Sowjetunion 63 Jahre nach ihrer Befreiung nach Dachau und erzählen, was sie erlebt und wie sie sich gefühlt haben, als sie zurück gekommen sind.

Jede Geschichte ist total anders: es gibt eine Frau die im KZ geboren wurde, einen Mann, an dem mit Malaria-Erregern experimentiert wurde, einen anderen Mann, der einen Todesmarsch, einen Todeszug und fünf Konzentrationslager überlebt hat...

Aber die Doku bleibt nicht in der Geschichte verhaftet, sie zeigt auch den menschlichen und aktuellen Teil dieser Leute: Obwohl sie eine schreckliche Vergangenheit haben, sind diese Leute nicht hasserfüllt und sie wollen ihre Geschichte erzählen, um Jugendlichen eine Lehre mit zu geben. Alles sind glückliche Leute, die ein normales Leben führen mit ihren Familien und Freunden, aber sie haben eben eine schreckliche Zeit erlebt. Die Doku will die Geschichte lebendig halten, damit sie sich nicht wiederholt.

Die Idee für das Projekt kam in einem Einführungsseminar für Europäische Freiwillige auf. Dort hat Antonio Grunfeld eine Ukrainerin, Daria Buteiko, kenngelernt, die in Dachau als Freiwillige arbeitete. Sie hat ihm von dem Treffen der ehemaligen Häftlinge Ende April 2008 erzählt, und er hat sofort gedacht, dies könnte ein gutes Dokumentationsthema sein. Dann, im November 2007, hat er der NDK-Klausurtagung sein Projekt vorgeschlagen und dem NDK-Team hat es gefallen. In engem Kontakt mit Dasha und ihrer Chefin Nicole Schneider hat Antonio alles vorbereitet. Er hat Biographien von den Überleben bekommen und einen Ablaufplan für die wichtige Woche Ende April.

Vor dem Treffen in Dachau musste Antonio die technische Ausrüstung und ein Filmteam finden. Mit der Medienwerkstatt in der Villa hat er gesprochen, sein Projekt vorgestellt und sofort Unterstützung bekommen. Sie haben die Technik für die ganze Woche und ein Auto geliehen, alles sehr günstig. Die Youth Bank Leipzig hat  einen Zuschuss gegeben. Essen und Unterkunft vor Ort hat der “Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V” übernommen, das NDK die Fahrtkosten.

Schnell hatte Antonio sein Filmteam gefunden: Ein russischer Regie-Assistent, Sergej Sitnikov, der ihm mit den Interviews geholfen hat. Er war Freiwilliger in Buchenwald und war in die Thematik schon eingearbeitet. Antonio hat zwei Kameramänner (Sebastian Hirsch und Dorian Nothaas), sowie einen Tontechniker (Martin Baier) von der Villa-Medienwerkstatt gefunden. Alle drei waren keine Profis, aber hatten Erfahrung mit Amateurkurzfilmen im Cineclub. Zusammen sind sie nach Dachau gefahren und eine ganze Woche dort geblieben. Sie haben die ganze Zeit gedreht: vom Frühstück bis in die Nacht. Sie haben Interviews mit allen gemacht, alle Gedenkfeiern gefilmt. Am Ende der Woche hatten sie 25 Stunden gefilmt und  waren sehr müde. Es war auch sehr traurig, sich von den ehemaligen Häftlingen zu verabschieden.

Zurück in Wurzen, musste Antonio diese 25 Stunden zusammenfassen und ordnen. Aber alle Interviews waren auf Russisch, also mussten Sergej und er alles übersetzen. Als Antonio alles verstehen konnte, hat er ausgewählt und alles in eine Reihenfolge gebracht. Dann hat er mit zwei Musikgruppen gesprochen, um die Rechte für die Lieder kostenlos zu bekommen. Dann haben Sergej und er Untertitel auf deutsch gemacht, mit Korrektur von Melanie Haller. Antonio hat auch Untertitel auf spanisch gemacht, und als alles fertig war, hat er endlich eine DVD gebrannt – der Film ist jetzt ca. 45 Minuten lang. Seine Mit-Freiwillige Alice Salvador hat die Cover gemacht. Wir haben den Film Anfang Juli 2008 im NDK gezeigt, das Publikum war sehr begeistert. Jetzt müssen wir weitere Orte in Deutschland und Spanien finden, um die Dokumentation möglichst vielen Menschen zu zeigen – denn schließlich soll die Geschichte der ehemaligen Häftlinge niemals vergessen werden.

Die Filmdokumentation “Dachau nach 63 Jahren” von Antonio Grunfeld kann beim NDK gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro bestellt werden.

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Antonio und zwei ehemalige Häftlinge in Dachau
Antonio und zwei ehemalige Häftlinge in Dachau