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Gegen das Vergessen - Erinnerung an die Zwangsarbeit in Deutschland/Sachsen zur Zeit des Nationalsozialismus

„Man muss erzählen, um selbst nicht zu vergessen und damit alle anderen nicht vergessen!“, so Margarita (81 Jahre), ehemalige Zwangsarbeiterin aus Samara/Russland, die kürzlich Leipzig und Wurzen besuchte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus haben über 13 Millionen Menschen aus 20 verschiedenen Ländern Europas Zwangsarbeit in Deutschland geleistet.

1944 war Deutschland überzogen von einem Netz aus 20.000 Lagern für ZwangsarbeiterInnen. Viele davon hatten einen ähnlichen Charakter wie Konzentrationslager. Die „ArbeiterInnen“ lebten unter menschenunwürdigen Bedingungen, sie litten Hunger, erhielten keine medizinische Versorgung, hausten in Baracken und bezahlt wurden sie kaum. Gleichwohl anfangs viele freiwillig kamen, wurde der überwiegende Teil nach Deutschland deportiert. Zum Ende des Krieges stellten sie teilweise über 50% der Belegschaft und waren somit ein wesentlicher Motor insbesondere der Kriegswirtschaft in Deutschland.

Die meisten ZwangsarbeiterInnen kamen aus Russland. Ihre Bezeichnung lautete OSTARBEITER. Sie waren von allen am schlechtesten gestellt, da sie nach der nationalsozialistischen Ideologie als „Untermenschen“ galten, ebenso wie „Zigeuner“ und Juden.

Margarita, Lilija und Lidija sind drei Frauen, die das Schicksal von Millionen Menschen teilen. Sie leisteten Zwangsarbeit für Deutschland. Noch Kinder mussten sie zum Teil schwere körperliche Arbeit unter erbärmlichen Lebensbedingungen verrichten und verloren dabei nicht nur einen Teil ihrer unbeschwerten Kindheit, sondern auch Familienangehörige.

Lidija und Lilija wurden nach Deutschland deportiert und mit ihren Familien in ein Konzentrationslager gebracht.

Margarita lebte nach dem Tod ihrer Eltern bei einer Tante in Woronesh als die deutschen Truppen 1942 die Stadt besetzten.

Im Februar 2010 kamen diese drei Frauen nach Leipzig & Wurzen, um von ihrem gebrochen Leben und dem Verlust, die sie erleiden mussten, zu erzählen. Gemeinsam mit dem Eine Welt e.V. Leipzig luden wir die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen ein, um die „Stille des Unfassbaren“ zu durchbrechen und insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ZeitzeugInnen ins Gespräch zu geben. Diese Zusammentreffen werden seltener, da die Zeit nicht stillsteht. Viele ehemalige ZwangsarbeiterInnen und KZ Häftlinge sind bereits gestorben oder mittlerweile zu alt für die beschwerliche Reise.

Die Zeitzeuginnen besuchten während ihres Aufenthaltes verschiedene Schulklassen sowie das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald und nahmen an der Einweihung eines Gedenksteins in Dehnitz (bei Wurzen) durch die Gedenkmarschgruppe des NDK Wurzen zur Erinnerung an die Opfer der Todesmärsche 1945 teil.

Das was sie erzählen, scheint manchmal so unfassbar und jenseits unserer Vorstellungskraft. Die Worte sind zu hören, doch der Verstand begreift nur schwer, was dort an Erinnerungen zu Tage tritt. Erinnerungen, die manchmal auch Tränen wieder hervorrufen, die man längst vergessen glaubte. Alles was bleibt, ist Erinnerung. An uns ist es, diese wach zu halten.

Aus diesem Grund haben wir aus der Begegnung eine Ausstellung entwickelt, die am 14.7.2010 im D5 eröffnet wurde.

Unterstützt wurde das Projekt durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.

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Besuch ehemaliger Zwangsarbeiterinnen aus Russland
Besuch ehemaliger Zwangsarbeiterinnen aus Russland