Dokumentation 2007/2008

Alle zwei Jahre dokumentieren wir Projekte und Veranstaltungen des NDK ausführlich in gedruckter Form. Das aktuelle Exemplar, die Chronik 2007/2008, schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu. Ein kurzer Anruf, eine Mail oder Postkarte genügt!

Radio-Workshop "Auf der Flucht vor der Freiheit"

Ein dumpfes Knallen, ein leichtes Knacken; dazu halblautes Gemurmel und undeutliche Rufe unter dem kalten Heulen des Windes. Es ist ein Morgen im April und die Lagersirene zerreißt die Luft.

 

Mit diesen Tönen beginnen die ersten Sekunden des Doku-Hörspiels „Auf der Flucht vor der Freiheit“. Was folgt, sind 40 Minuten Gewaltmarsch durch Geschichte, Politik und Kultur des Nationalsozialismus, dem Schrecken und Terror des Holocaust sowie der eigenen Vergangenheit. Denn die Frage nach dem „Wie?“ und „Warum?“ der Todesmärsche führt auch durch das beschauliche Wurzen im Muldental. Eine Kleinstadt im Randgebiet von Leipzig, durch die im Frühjahr 1945 mehrere Hundert Lagerhäftlinge zogen. Die Spuren, die zu diesem Kapitel von „großer“ wie auch „kleiner“ Geschichte führen, sind so verzweigt und oft auch abwegig, dass es ein Leichtes ist sich auf dem Weg zu verirren. Doch genau das sollte den Teilnehmern des Projektes „Radio machen“ eben nicht passieren. Zehn Wurzener Jugendliche haben über drei Monate - von April bis Juni 2007 - intensiv recherchiert, Radiotechniken erlernt und ihre ganze Kreativität beim Schreiben des Drehbuchs spielen lassen. Und so hört man nicht nur die historischen Hintergründe von den Anfängen des nationalen Sozialismus bis zum Kriegsende im Frühjahr 1945, sondern auch die fiktive Geschichte der beiden Lagerhäftlinge Sara und Hilde.

Mit Experten- und Zeitzeugeninterviews haben sich die Jugendlichen einen Rahmen gebaut, der weniger abschließend erklärt, als vielmehr eine Vorstellung geben will, wie sich ein umfassender politischer Glaube mit fataler Konsequenz auf das Leben von einzelnen Menschen auswirken kann. Diese Verquickung auch in Radioform darzustellen, erfordert jedoch mehr als nur historische Kenntnisse. Denn wie klingt Tod, Massenvernichtung, Konzentrationslager, Deportation und menschliche Selektion? Oder anders: Wie hört sich Faschismus an? Eine Frage, deren letztendliche Antwort weniger im Vordergrund stand als der Versuch das eigentlich Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Und dabei ist ein interessanter Genre-Mix entstanden. Die Vermischung von dokumentarischen Techniken mit fiktiven Hörspielsegmenten war jedoch nicht von Anfang an geplant: „Die Idee entwickelten die Kids aus der Frage, wie man das Schicksal der Häftlinge am besten vermitteln könnte“, erinnert sich die Projektleiterin Katja Genedl. Der Hörer kann den Todesmarsch auf seinem Weg durch das Muldental begleiten, sich ein Tonbild von den Strapazen und Grausamkeit der Märsche machen und versuchen nachzuvollziehen, wie Verzweiflung und Ohnmacht noch den letzten Keim der Hoffnung zu ersticken drohen. Und am Ende, Anfang und zwischen jeder Szene; das monotone, nie enden wollende Geräusch hunderter Schritte, die auf losen Untergrund treffen.

Der Krieg neigt sich seinem Ende zu und der Frühling ist nah – und das spüren auch Soldaten wie Häftlinge. Von fernem Kanonendonner und chaotischen Befehlen begleitet, bahnt sich der Marsch über die Muldenbrücke in das Zentrum der Stadt Wurzen. Plötzlich reißt Sara aus der Kolonne aus und die Geschichte endet so ungewiss und schrecklich wie ein Gewehrschuss, der in der Luft verhallt...

Auf der Flucht vor der Freiheit. Ein dokumentarisches Hörspiel zu den Todesmärschen am Ende des Zweiten Weltkrieges / Laufzeit: 40min / NDK Wurzen und Radio Blau, Leipzig / Gefördert von der Stadt Wurzen / Ausgezeichnet mit dem Medienpädagogischen Preis 2007

 Das Hörspiel kann beim NDK gegen eine Schutzgebühr von 5,- Euro bestellt werden.

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Projekttreffen des Radioworkshop-Teams
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