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Wider den Vorwurf der Intransparenz

Neue Auftraggeber - Fondation de France

Ex-Galerieleiterin Barbara Steiner sieht beim Denkmals-Projekt keine kleine Gruppe am Werk

Wurzen. In der Debatte um die umstrittenen Kunstprojekte am Kriegerdenkmal hat Barbara Steiner die Behauptung zurückgewiesen, bei der Planung gehe es "intransparent" zu. Sobald die Ausstellung mit den Entwürfen wieder eröffnet werde, will Steiner sich einer Debatte in Wurzen stellen. Auch die beteiligten Künstler wollten Auskunft zu ihren Projekten geben.

Steiner, bis Ende vorigen Jahres Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, verwahrt sich gegen den Eindruck, die avisierten Kunstprojekte am Ehrenmal auf dem Alten Friedhof seien im kleinen Kreis ausgetüftelt worden. "Das war doch keine kleine Gruppe", sagte Steiner gestern im LVZ-Gespräch. Bei ihrem ersten Treffen mit den Aktiven des Bündnisses für Demokratie gegen Neonazismus sei sie von der breiten Verankerung der Gruppe sehr beeindruckt gewesen. "Die Kirche und junge Leute, verschiedene Ratsfraktionen, der Oberbürgermeister und Lehrer. Das ist ganz erstaunlich für eine Stadt wie Wurzen."
Gerade dieser Querschnitt durch die Gesellschaft sei für Ilina Koralova und sie entscheidend gewesen, als es darum ging, sich für die Einbeziehung der Neuen Auftraggeber zu engagieren. "Das hat uns wirklich motiviert." Dabei sei man keineswegs blauäugig davon ausgegangen, dass eine Neuinterpretation des Denkmals ohne weiteres neonazistische Umtriebe dort beenden würde. Ein solcher Prozess sei immer ein gesellschaftlicher, langfristig angelegt und mühsam. "Aber den Versuch ist es allemal wert", ist Steiner überzeugt.

Indirekt räumt sie ein, dass es unglücklich ist, wenn durch Verlautbarungen der Neuen Auftraggeber der Eindruck entstehe, dass die Umsetzung eines der Entwürfe auf jeden Fall bis 2013 erfolgen werden. "Entsprechende Ankündigungen werden geändert", sagte Steiner. Tatsächlich habe es sich bei diesen Terminen eher um einen "Wunschtermin des Bündnisses" gehandelt. Dieses habe zum Volkstrauertag 2012 einen Siegerentwurf und im Jahr darauf dessen Umsetzung präsentieren wollen. Aber dieser Zeitplan sei keineswegs in Stein gemeißelt.

Sollte die Entscheidungsfindung länger dauern, weil es eine massive öffentliche Auseinandersetzung zum Thema gibt, dann könne sich der Prozess durchaus zehn Jahre hinziehen, so Steiner. Und wenn es keinen Konsens gebe, dann werde eben auch keines der Projekte umgesetzt. "Auch das wäre keine Katastrophe." Bereits die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Mahnmal sei schließlich ein Nutzen an sich.
Im übrigen steht Steiner für eine kontroverse Debatte gern zur Verfügung. Obwohl sie die Leitung der Galerie abgegeben habe, werde sie das Projekt weiter begleiten und gern nach Wurzen kommen, um mit allen Interessierten darüber zu diskutieren. Dasselbe gelte für die Kunstschaffenden, die ihre Entwürfe eingereicht haben. "Das sind alles Künstler, die bereits vergleichbare Projekte begleitet haben." Allesamt stünden sie für sorgfältige Arbeit und seien diskussionsbereit. "Wer einen gegenteiligen Eindruck erweckt, wird ihnen damit nicht gerecht." Der Vorwurf der Intransparenz sei absurd. Niemand plane, den Wurzenern etwas gegen ihren Willen überzustülpen. Steiner hofft, die Menschen im persönlichen Gespräch überzeugen zu können. Markus Tiedke

 

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Der Verein "Neue Auftraggeber" hat seinen deutschen Sitz in Berlin. Die Initiative für seine Gründung kam von der gemeinnützigen "Fondation de France", die in Europa verschiedene, ähnlich gelagerte Projekte unterstützt. Nach Auskunft von Barbara Steiner werden allerdings nicht irgendwelche Projekte gefördert. Förderwürdig ist nur, was von gesellschaftlichem Interesse ist.

Seit dem Tätigwerden des Vereins in Deutschland vor drei Jahren wurden in Sachsen nur zwei Vorhaben gefördert. Eines in Kleinliebenau und eben das Projekt ums Wurzener Kriegerdenkmal. Dabei fließt das Geld für die Phase der Projektentwicklung. Diese ist in Deutschland regelmäßig nicht förderfähig. Für Wurzen wurden bislang 10 000 Euro bereitgestellt. Weitere 5000 Euro sollen noch folgen. Für die etwaige Umsetzung eines der Projekte müssten allerdings Fördermittel aus anderen Quellen eingeworben werden.

 

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Denkmalschützer wurden bisher nicht involviert

Keine Nachfragen wegen des Kriegerdenkmals

Wurzen/Grimma (mat). Während die Diskussion um die avisierten Kunstprojekte am Kriegerdenkmal weitergeht, blieb bislang ein Aspekt weitgehend außen vor: Was an Veränderung ist dort eigentlich rechtlich möglich? Immerhin könnte das Mahnmal am Alten Friedhof ja Denkmalschutz genießen und somit jedwede Veränderung ausgeschlossen sein.

Im Zuge der Debatte hatte Oberbürgermeister Jörg Röglin dies schon einmal in einem Nebensatz fallen lassen, um die erhitzen Gemüter etwas zu besänftigen. Konkrete Anfragen zu diesem Punkt gab es indes bis gestern noch nicht, sagte Günter Unteidig gestern der LVZ. Unteidig ist als Mitarbeiter des Landkreises für Denkmalschutz in Wurzen zuständig. "Da gab es noch keine Gespräche." Prinzipiell halte er jedoch jegliche bauliche Veränderung für hochproblematisch.

Etwaige Anfragen seien in dieser Angelegenheit aber vom Fachbereich Gartendenkmalpflege zu beantworten, so Unteidig weiter. Dieser Bereich ist dem Landesamt für Denkmalpflege in Dresden direkt unterstellt und auch dort beheimatet. Die Aufgabenzuweisung folge aus dem parkähnlichen Charakter des Alten Friedhofes. Dass den Kollegen dort etwas vorliege, erschien Unteidig unwahrscheinlich. Von dort habe es noch keinerlei Zusagen oder dergleichen gegeben.

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