Dokumentation 2007/2008

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Volkstrauertag in Wurzen

Zu den Ereignissen, die am Volkstrauertag (15.11.2009 ) in Wurzen stattgefunden haben, finden Sie hier eine Sammlung von Presseartikeln und Kommentaren sowie Leser_innenbriefen, die in der LVZ/ Muldentaler Kreiszeitung erschienen sind. Die Aktuellsten finden Sie weiter unten.

Diese Sammlung wird natürlich aktuell erweitert.

Erst die Demokraten, dann die Rechten

Wurzen. Im Schatten des Kriegerdenkmals am Alten Friedhof wurde in den vergangenen Jahren am Volkstrauertag regelmäßig der Opfer von Gewaltherrschaft und Kriegstoter gedacht. Abordnungen von Parteien, Vereinen und Privatleute legten am Denkmal Blumen und Kränze nieder. Das geschah meist unorganisiert. Immer wieder nutzten auch rechte Kräfte den Volkstrauertag, um am Wurzener Gedenk-Ensemble unter anderem extreme Botschaften zu transportieren. Das ist am kommenden Sonntag wieder zu befürchten.

Diesmal jedoch wolle die Stadt Ort und Tag organisiert "besetzen", kündigt Oberbürgermeister Jörg Röglin an. Es soll zwischen 14 und 16 Uhr eine zentrale Gedenkveranstaltung vor Ort geben. "Wir rufen alle demokratischen Parteien, Kirchgemeinden, Vereine, Verbände, Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme auf", so der Rathauschef. Es gehe darum, Präsenz zu zeigen und nicht mehrheitlich Extremisten das Feld zu überlassen. Man wolle den Opfern der Kriege "ein Gesicht geben". Wie berichtet, wird im Wurzener Museum eine Ausstellung vorbereitet, die am Volkstrauertag an der Gedenkstätte gezeigt werden soll. Zu sehen sein werden Fotos und weitere Dokumente der Wurzener Weltkriegs-Opfer. Dutzende Namen sind an den Gedenktafeln des Memorials auf dem Alten Friedhof verewigt. Wie Uta Moltrecht, vom Wurzener Museum erklärte, haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Angehörige der Opfer Materialien für die Schau
bereitgestellt, die vom Museumsteam aufgearbeitet und zur Präsentation vorbereitet werden.Jörg Röglin bittet all jene Wurzener, die nicht an der Gedenkveranstaltung teilnehmen können, "weiße Kerzen in die Fenster zu stellen". So könne man ein Zeichen des Gedenkens an die Opfer von Gewalt setzen und seine Trauer zeigen. Am Sonntag werden aber nicht nur demokratische Kräfte das Denkmal aufsuchen. Diverse Plattformen (rechte und linke) im Internet legen das nahe. Wie Klaus-Thomas Kirstenpfad vom Ordnungsamt des Kreises auf Anfrage sagte, habe die NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten, Landesverband Sachsen, eine Versammlung unter dem Motto "Gegen Krieg und Vertreibung - zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege" für die Zeit von 17 bis 20 Uhr auf dem Alten Friedhof angemeldet. Der Landkreis als genehmigende Versammlungsbehörde werde Auflagen erteilen. So werde die Zusammenkunft der Rechten nur zwischen 18 und 20 Uhr genehmigt. Marschformationen, Fackeln und Trommeln seien untersagt, verfassungskonforme Fahnen erlaubt.

Ein Verbot der Veranstaltung sei nach Prüfung der Anmeldung nicht möglich, so Kirstenpfad. Unter anderem deshalb, weil es keine Anzeichen für Verfassungsfeindlichkeit gebe, Vorbestrafte nicht zu den Anmeldern gehörten und keine unmittelbare Gegenveranstaltung zu erwarten sei. "Es überwiegt bei unsrer Entscheidung die Versammlungs- und Meinungsfreiheit, die das Grundgesetz garantiert", so Kirstenpfad. Am Mittwoch habe es mit Blick auf die Anmeldung des NPD-Veranstaltung Abstimmungsgespräche zwischen Kreis, der Polizei und der Stadt Wurzen gegeben, so Kirstenpfad. Drago Bock Quelle: LVZ-Muldentalkreis, 13.11.2009

Volkstrauertag

Stadt vermeidet Konfrontation

Wurzen (db). Die Stadt lädt Sonntag, anlässlich des Volkstrauertages, am Denkmal für die Toten des Ersten Weltkrieges am Alten Friedhof, zu einer Gedenkstunde ein. Zur Veranstaltung (14 bis 16 Uhr) sind alle demokratischen Kräfte willkommen, so Rathauschef Jörg Röglin, der die Bürger zudem auffordert, weiße Kerzen in die Fenster zu stellen. Um den Toten ein "Gesicht zu geben" werden Museum und Standortinitiative Wurzen (SiW) vor Ort Fotos und Dokumente gefallener Wurzener Soldaten präsentieren, die von Angehörigen zur Verfügung gestellt wurden.

Kreisverwaltung und Polizei bestätigten eine von Vertretern der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten angemeldete und genehmigte Aktion am Denkmal ab 18 Uhr (die LVZ berichtete). Die Stadt habe sich bewusst für die Veranstaltungszeit zwischen 14 und 16 Uhr entschieden und auf die Gleichzeitigkeit ihrer Aktion mit der der Rechtsextremen verzichtet, um Zwischenfälle zu vermeiden. Man habe vorab lange mit Kreis und Polizei über das Vorgehen diskutiert, sich dann gemeinsam so entschieden, so Röglin. Das erste Pflänzchen der bürgerlich-demokratischen Gedenkveranstaltung, die es seit Jahren wieder organisiert gebe, müsse in den nächsten Jahren weiter wachsen. Röglin rechnet künftig mit steigenden Teilnehmerzahlen und auch einer Erweiterung der Foto-Präsentation. Hätte die Stadt ihre Veranstaltung zur gleichen Zeit wie die NPD anberaumt, wäre ein Verbot der NPD-Aktion denkbar und juristisch möglicherweise durchsetzbar gewesen, hieß es aus der Kreisverwaltung. Quelle: LVZ-Muldentalkreis, 14.11.2009

Schwierige Strategie-Suche

Volkstrauertag: Landtagsabgeordneter kritisiert Stadtchef / Heute interne Auswertung der Ereignisse

Wurzen. Heute werden im Stadthaus, nicht öffentlich, die Ereignisse, die sich am Volkstrauertag am Alten Friedhof abspielten, ausgewertet. Es sollen dabei Schlüsse für die Zukunft gezogen werden. Der Wurzener Landtagsabgeordnete der Grünen, Miro Jennerjahn, kritisiert das Vorgehen der Rathausspitze hinsichtlich der städtischen Gedenkveranstaltung am 15 November. Rathauschef Jörg Röglin (parteilos) stellt sich der Kritik. Unter anderem hatten NPD und deren Nachwuchsorganisation am Denkmal Kränze niedergelegt.

"Ich bin tief erschüttert über die Vorkommnisse und Ihr Handeln anlässlich des Volkstrauertages“, schreibt Jennerjahn in einem offenen Brief an den Rathauschef. Da die Stadt ihre Veranstaltung von 14 bis 16 Uhr anmeldete, sei damit überhaupt erst die Grundlage geschaffen worden, dass Neonazis erstmals eine genehmigte Veranstaltung am Volkstrauertag in Wurzen durchführen konnten, so der Grüne.

In den Vorbereitungsrunden für die Stadt-Veranstaltung sei es Konsens gewesen, dass die diesjährige Aktion der Versuch sein soll, Raum, der von Neonazis besetzt wurde, wieder demokratisch zu füllen. „Mehrere Personen, darunter auch ich haben in den Vorbereitungsrunden darauf verwiesen, dass eine städtische Veranstaltung nur Sinn macht, wenn sie an Stelle der Neonazi-Kundgebung in den frühen Abendstunden stattfindet. Aus Angst vor einem direkten Aufeinandertreffen mit der rechtsextremistischen Szene wurde mehrheitlich anders entschieden, die ursprüngliche Idee, den öffentlichen Raum demokratisch zu besetzen konterkariert.“ Jennerjahn wirft Röglin überdies vor, Absprachen hinsichtlich der Herausgabe einer gemeinsamen Presseerklärung, die – um eine sehr breite Teilnehmerbasis zu schaffen – von möglichst vielen an der Vorbereitung der Veranstaltung Beteiligten unterschrieben sein sollte, nicht eingehalten zu haben. Jennerjahn bilanziert: Der rechtsextremen Szene sei es gelungen, den Akteuren, die sich als demokratische Wurzener Zivilgesellschaft verstehen, die Spielregeln zu diktieren. Aus Angst wurde der rechtsextreme Szene selbstverschuldet Raum gegeben. Was beliebe, sei das Bild zweier Veranstaltungen, die von unterschiedlichen politischen Akteuren realisiert wurden und beide ihre Berechtigung hätten. Der menschenverachtende Charakter der Neonazi-Aktion werde dadurch nicht mehr problematisiert, was einer Aufwertung rechtsextremer Ideologie darstelle. Die Nazis wurde als normale Akteure behandelt. Daran ändere auch das hilflose Umdrehen der Teilnehmer nichts als die Neonazis ihre Kränze niederlegten (die LVZ berichtete).

Trotz der Erfahrungen aus den letzten Jahren sei die Stadt unbedarft an das Thema herangegangen. An Röglin gerichtet: „Sie haben das Fachwissen, von Menschen, die jahrelang zu dem Themengebiet arbeiten wieder einmal nicht ernst genommen. Das ist Ihr gutes Recht und Ihre freie Entscheidung. Es hat aber dazu geführt, dass Neonazis einmal mehr ungehindert ihr menschenverachtendes ,Heldengedenken‘ in Wurzen zelebrieren konnten.“ Im vergangenen Jahr war die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag durch wenige Akteure, vor allem durch Vertreter der demokratischen Parteien geprägt, die Teilnehmerzahl eher gering. Das war unbefriedigend. Deshalb habe ich einen Versuch unternommen, mit einer zentralen Veranstaltung mehr Teilnehmer zu gewinnen, so Röglin gegenüber der LVZ. Zur Organisation habe sich bereits im August eine Vorbereitungsgruppe getroffen, darunter das Mobile Beratungsteam vom Kulturbüro Sachsen und die Polizei.“ Man habe sich darauf verständigt, das Denkmal in seinen eigentlichen Kontext, nämlich Trauer um die Toten von Krieg und Gewalt, zu setzen. Während des letzten Vorbereitungstreffens sei auch über den Zeitpunkt der Veranstaltung gesprochen worden. In der Abstimmung habe sich die Gruppe mehrheitlich für einen Zeitraum von 14 bis 16 Uhr ausgesprochen. „Die Entscheidung fiel auch nach Hinweisen der Polizei“, betont Röglin. Die Diskussion sei auch vor dem Hintergrund der Ereignisse von Brandis (Überfall Rechtsextremer auf Fans von Roter Stern Leipzig während des Spiels beim FSV Brandis, Anm. d. Red.) geführt worden. Röglin: „Die Teilnehmer unserer Veranstaltung einem eventuellen Übergriff auszusetzen, wäre leichtfertig und hätte für lange Zeit jede Möglichkeit von Gegenaktionen zerstört.“Der Rathauschef hebt hervor, dass es geschafft worden sei, nicht nur sechs Personen, wie 2008 zur Teilnahme zu bewegen, sondern etwa 60. „Außerdem wurde erreicht, dass die so genannten ,Freien Kräfte‘ nicht wie in den vergangenen Jahren, ,spontan‘ mit Fackeln und Trommeln durch die Innenstadt marschiert sind. Durch die Stadtveranstaltung war eine Anmeldung erforderlich und der NPD-Aufmarsch wurde mit erheblichen Auflagen versehen.“

Röglin widerspricht Jennerjahn, dass die Veranstaltung der Stadt von der NPD dominiert worden sei. Aber: „Das Auftreten der NPD während der Stadtveranstaltung sorgte für eine Situation, die ich vorher so nicht erwartet habe. Um so mehr danke ich all den Mutigen, die an der Veranstaltung teilnahmen. Ich denke, dass ein wichtiger Schritt in Richtung eines bürgerlichen Auftretens gegen die ,Heldenverehrung‘ am Volkstrauertag gemacht wurde.“ Manches müsse künftig verbessert werden. Er, Röglin, habe dazu viele Anregungen bekommen. „Miro Jennerjahns Kritik ist sehr hart formuliert, wird jedoch inhaltlich zur Verbesserung des Gedenkens in der Zukunft mit beitragen.“ Auch die Variante, die Veranstaltung bis 20 Uhr anzumelden, werde in der Auswertung eine Rolle spielen. „Wir haben mit unserer ersten Gedenkkundgebung ein Signal gesetzt, dass die Neonazis das Denkmal nicht länger unwidersprochen für die Verbreitung ihrer Ideologie nutzen können – ein erster Schritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Drago Bock LVZ-Muldentalkreis vom 03.12.2009

KOMMENTAR

Von Drago Bock

Wenn ein Denkmal zur Last wird

Das Denkmal am Alten Friedhof scheint für die Stadt beinah eine Last geworden zu sein. Eine, die politisch schwer wiegt, weil die Ereignisse, die sich in den vergangenen Jahren anlässlich des Volkstrauertages dort immer wieder abspielten politisch brisant sind, der Stadt schaden. Abgesehen vom jüngsten Gedenktag erwiesen in den Jahren zuvor nur wenige Bürger den Toten ihre Reverenz. Zunehmend machten sich stattdessen Rechtsextreme breit. Vertreiben mussten die dort, wie gesagt, kaum jemanden. Sie konnten das Terrain in Besitz nehmen, es als Plattform für das Zurschaustellen ihrer Ideologie nutzen.

Lange (zu lange?) hat die Bürgerschaft weggesehen. Nun regt sich Widerstand – „von oben“ angestoßen. Der erste Mann der Stadt will das Denkmal zurückerobern und voranschreiten. An die 60 Bürger taten es ihm gleich. Das ist begrüßenswert. Der Versuch vor wenigen Tagen zeigt aber auch, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Nach der Festlegung des Ablaufs am 15. November war nicht zu verhindern, dass sich während der Gedenkfeier der Stadt auch demokratisch gewählte NPD-Leute und deren Anhänger provokant einreihten. Und es war nicht zu verhindern, dass Rechtsextreme am späten Nachmittag dort ihren Budenzauber veranstalten konnten nachdem die Demokraten abgezogen waren. So wirken Bürgerschaft und Behörden irgendwie hilflos. Aber – ist es die richtige Strategie, das Denkmal für zwei Stunden „demokratisch zu besetzen“ und dann den Extremisten das Feld zu überlassen? Hätte die Stadt ihr öffentliches Gedenken über Stunden ausgedehnt, hätten juristische Möglichkeiten bestanden, die Aktion der Rechtsextremen zu verbieten. Das war vorab dem Landkreis als Versammlungsbehörde bekannt, wurde auch so transportiert (die LVZ berichtete). Verfahren wurde anders. Röglin sagt, besorgt gewesen zu sein, dass bei einem Verbot mit Übergriffen hätte gerechnet werden müssen. Diese Ansicht kann man teilen. Wie jene, dass durch mögliche Übergriffe bei nachfolgenden Veranstaltungen die Angst regiert und sich kaum noch einer am Volkstrauertag an das Denkmal wagt. Dann allerdings hätten die Extremisten gewonnen. Letztlich sind die Wurzener gefragt. Nicht 60 sollten es sein, die gedenken, sondern 600 oder noch mehr.

Wer griffige Rezepte hat, die Wurzen die politische Last mit dem Denkmal zu erleichtern vermögen, sollte sich ins Gespräch bringen. Schade nur, dass die Auswertung der Ereignisse vom Volkstrauertag heute Abend im Stadthaus hinter verschlossenen Türen erfolgt. Quelle: LVZ-Muldentalkreis vom 03.12.2009

Leserbrief

An Namen und Schicksale erinnern

Zum Artikel „Helden waren es nicht“ und „Stadt vermeidet Konfrontation“ schreibt uns unser Leser Jens Haubner aus Nischwitz folgende Meinung: Sicher ist es nach 40 Jahren Vereinnahmung und 20 Jahren Vereinsamung nicht einfach für die Stadtöffentlichkeit, sich des Themas Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Terror auch noch an dem im Volksmund als „Kriegerdenkmal“ bekannten Ensemble anlässlich des Volkstrauertages anzunehmen. Marschiert doch auch noch und fürs nächste Jahr auch wieder angekündigt, eine recht eigentümliche „Trauergemeinde“ auf, um wohl eher auf sich aufmerksam zu machen als zu gedenken oder zu trauern. Vielleicht ist jemandem schon aufgefallen, dass nicht nur ein liegender Soldat, sondern auch eine Krankenschwester in alles andere als kriegerische Pose dargestellt ist. Auch sie war Opfer und zugleich humanitäre Helferin.

Wie zum Beispiel eine Frau Alexandrine von Uexkuell-Gyllenband. Wie ihre beiden Geschwister zeitig Waisenkind, setzte sie sich als Oberin des Roten Kreuzes während und nach dem Ersten Weltkrieg für Gefangene in Russland ein. Dies machte sie bekannt und brachte ihr Anerkennung ein. Ihre Mutter war die in Püchau geborene Valeria von Hohenthal, eine Enkelin von Gneisenau. Ihre Schwester Caroline war die Mutter des bekannten Attentäters Claus Schenk von Stauffenberg. Dieser, zwei weitere Neffen als auch ihr Bruder Nikolaus wurden am bzw. nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet. Nikolaus in einer Mehrfacherhängung an einem Galgen in Plötzensee, der extra auf Anordnung des Reichsjustizministers Thierack, einem geborenen Wurzener, errichtet wurde. Es sind eben viele Schicksale, die hinter einem Denkmal (Denk mal) zu finden sind.

Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns das Recht Sinn wahrender Kürzungen vor. Quelle: LVZ-Muldentalkreis vom 03.12.2009

Volkstrauertag-Veranstaltung

„Anfänge nicht durch Kritik kaputt machen“

Wurzen (db). Die stellvertretende ehrenamtliche Bürgermeisterin und Stadträtin Steffi Ferl (SPD-Fraktion) wertet die Gedenkveranstaltung der Stadt anlässlich des Volkstrauertages am 15. November dieses Jahres als „einen Schritt in die richtige Richtung“. Ferl betont, dass Vorbereitungsrunden zur Gedenkveranstaltung, an denen Vertreter verschiedener Gremien teilnahmen, in dieser Form in den vergangenen Jahren nie stattgefunden hätten. Das sei wohltuend. Sie erinnert daran, dass die „offenen Worte“ von Oberbürgermeister Jörg Röglin während der Veranstaltung Beifall bekamen und „nicht zu überhören“ waren. Nicht zuletzt gingen auch die Pläne der Stadt, das Denkmal – entsprechend des Vermächtnisses von Herbert Starke, der der Stadt rund 120000 Euro zweckgebunden hinterlassen hat – zu sanieren, in die „richtige Richtung“. Das Engagement der Wurzener, Bilder und Dokumente für eine kleine Erinnerungsschau beizusteuern, sei ein weiterer kleiner Schritt, dass demokratische Kräfte der Stadt den Platz am Friedhof für sich einnehmen. Viele weitere Schritte seien dazu noch notwendig. „Wir sollten uns diese Anfänge mit scharfer Kritik nicht selbst kaputt machen.“ „An diesen 15. November war Deeskalation angesagt. Und nur weil die Polizei anwesend war, muss man nicht übermütig werden. Reden wir weiter gemeinsam über weitere Wege. Denn Wege entstehen beim Gehen“, betont Steffi Ferl. Quielle: LVZ-Muldentalkreis, 09.12.2009

Größter Aufmarsch in Wurzen

Innenministerium: Am Volkstrauertag in Ringelnatzstadt Rechtsextreme stark vertreten

Wurzen (db). In Wurzen hat es offenbar am Volkstrauertag, 15. November, den größten Aufmarsch rechtsextremistischer Kräfte in ganz Sachsen gegeben. Das geht aus Informationen des sächsischen Innenministeriums hervor, die im Zuge einer kleinen Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Miro Jennerjahn an die Öffentlichkeit gelangte. Nach Ministeriumsangaben nahmen mindestens 140 Mitglieder und Sympathisanten der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und so genannte Freie Kräfte an der Kundgebung am Denkmal im Alten Friedhof teil. Im vergangenen Jahr sollen es maximal 100 gewesen sein. Jennerjahn: „In Wurzen wurde somit eine Art zentrale Veranstaltung für die rechtsextremistische Szene organisiert.“ Dafür spreche auch, dass anlässlich des Volkstrauertages von Akteuren der rechtsextremistischen Szene nur eine einzige Kundgebung angemeldet wurde – die in Wurzen.
Aus den Informationen des Innenministeriums schließt Jennerjahn auf eine „Arbeitsteilung“ zwischen der NPD einerseits und den Freien Kräften und der JN andererseits. So bemühe sich die NPD als gleichberechtigte Partnerin an offiziellen Gedenkveranstaltungen teilzunehmen, würden von Freien Kräften und JN eigene Veranstaltungen organisiert.

Die Ereignisse am Denkmal am Alten Friedhof wurden am 3. Dezember hinter verschlossenen Türen durch die Stadt ausgewertet. Anschließend teilte Oberbürgermeister Jörg Röglin mit, dass es bei der Vorbereitungszeit und den Verantwortlichkeiten der erstmals durch die Stadt organisierten Veranstaltung „einiges zu verbessern“ gebe. Es habe Anregungen gegeben, wie die Veranstaltung „würdiger durchgeführt werden kann“. Röglin: „Das begonnene Ausstellungsprojekt, den Opfern ein Gesicht zu geben, verspricht sowohl bezüglich der inhaltlichen Ausgestaltung als auch zeitlichen Dauer noch viel Potenzial, das im kommenden Jahr aktiviert werden soll.“

Das Denkmal solle nicht den Rechtsextremisten überlassen werden. Die Beratungen mit den Kirchen, Parteien, Vereinen und dem mobilen Beratungsteam sollen weitergeführt werden. Ein neuer Termin sei bereits für den März festgelegt, weitere Beratungen würden dann quartalsweise folgen, so Röglin. Zu den Ergebnissen der Kleinen Anfrage äußerte er sich nicht. Quelle: LVZ-Mulentalkreis, 04.01.2010

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