Weg mit dem Nazi-Zentrum!
Brauner Spuk verschwindet vor der Polizei
Bergfilmfestival
Böhlitz (hei). Das Bergfilmfestival 2011 - mehr Zuschauer als im Vorjahr, ausgezeichnet als einer von 365 Orten bundesweit im "Land der Ideen", im Grunde eine reine Erfolgsgeschichte. Wenn da nicht jener Vorfall gewesen wäre, der die Organisatoren erschütterte und der inzwischen zu polizeilichen Ermittlungen führte: In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, weit nach Mitternacht, gab es plötzlich braunen Spuk auf der friedlichen und unpolitischen Veranstaltung (LVZ berichtete). Bevor die Polizei mit vier Funkwagen eintraf, traten die Störer jedoch den Rückzug an.
Nach Aussagen von Hugo-Peter Scholz, beim Festival-Ausrichter IG Klettern für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, war es eine Gruppe von acht Personen, die in der Nacht zunächst durch rechtsextremistische Sprüche und Sieg-heil-Gegröle auffiel. Wie sich die jungen Männer Zugang zum Festgelände verschafft hatten, könne er nicht sagen. Auf alle Fälle sei er eingeschritten und habe angekündigt, die Polizei zu holen, was mit hämischen Bemerkungen abgetan worden sei, die solle er ruhig holen. Daraufhin, so Scholz, habe er die Polizei verständigt, dass sich etwas zusammenbraue.
Als sich zwei Kletterer auf den Weg zum Zeltplatz gemacht hätten, sei ihnen die Gruppe gefolgt. Zeugen hätten die Bemerkung "Jetzt geht's los" gehört, so Scholz. Deshalb hätten sich Mitglieder und Freunde der IG Klettern auf den Weg gemacht, ihre Kollegen zu schützen. Und sie hätten am Ausgang des Geländes tatsächlich eingreifen müssen, hätten die Störer festgehalten, als sie angreifen wollten. Es kam zu einem kurzen Handgemenge, bei dem ein Kletterer verletzt wurde, so Scholz, dabei sei die Polizei alarmiert worden. Ob die Rechtsextremisten deshalb das Weite suchten, weiß er nicht. Fakt ist: Als die Polizisten auf dem Böhlitzer Dorfplatz ankamen, war der braune Spuk vorbei. Bis zum Eintreffen habe es viel zu lange gedauert, klagten Verantwortliche der IG Klettern, eine dreiviertel Stunde. Es seien vier Funkwagen, zwei davon aus dem Bereich des Reviers Eilenburg, zusammen gezogen worden, erklärte dazu die Pressestelle der Polizeidirektion Westsachsen. Die Beamten hätten vor Ort keine Störer mehr angetroffen, der Sache werde jedoch nachgegangen. Erste Zeugenhinweise lägen bereits vor.
Nach Auskunft von IG-Klettern-Mitgliedern handelt es sich bei den Angreifern um im Ort bekannte Jugendliche. Und es gibt eventuell eine Vorgeschichte. Bei einem Fest von Rechtsextremisten im Steinbruch sollen an deren Autos Reifen zerstochen worden sein. Die Sieg-heil-Gröler hätten offenbar fälschlicher Weise einen Kletterer im Verdacht - einen der beiden, dem sie zum Zeltplatz folgten und dem sein Rucksack gestohlen wurde.