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Rechtsextremismus nicht im Hinterhof

Studie über Borna und andere Städte im Osten ausgewertet

Berlin/Borna (epd/nn). Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat davor gewarnt, den Rechtsextremismus als ein typisch ostdeutsches Phänomen wahrzunehmen. Er bezog sich dabei auf eine Studie im Auftrag seines Ministeriums, bei der die Universität Bielefeld rechtsextreme Einstellungen in sechs ostdeutschen Klein- und mittelgroßen Städten untersucht hatte. Dazu zählte neben Neuhardenberg, Neubrandenburg, Altenburg, Anklam und Wernigerode auch Borna. Ein Mitarbeiter der Universität Bielfeld hatte die Bornaer Ergebnisse vor drei Wochen gegenüber der LVZ vorgestellt.

Die Studie hatte in Borna ergeben, dass immerhin 56,5 Prozent der Befragten willens und bereit seien, sich gegen Rechtsextremismus starkzumachen. Eine Zahl, die allerdings weit unter dem Bundesdurchschnitt von 78,4 Prozent liegt. Bei der Befragung war außerdem herausgekommen, dass 28,7 Prozent der Meinung sind, deutsche Aussiedler sollten bei der Vergabe von Arbeitsplätzen bevorzugt werden. 16 Prozent in Borna stimmten der Aussage zu, die Weißen seien zu Recht führend in der Welt. Dass zu viele Ausländer in Deutschland leben, bejahte mehr als die Hälfte aller Befragten: 50,4 Prozent. Dass Ausländer eine Belastung fürs soziale Netz sind, sehen 42,5 Prozent in Borna so. Immerhin 9,6 Prozent finden, dass Juden zu viel Einfluss haben.

Rechtsextremismus finde nicht in Hinterhöfen statt, sondern im öffentlichen Raum, sagte der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer bei der Präsentation der gesamten Studie gestern. Bei „älteren Menschen“ seien im Rahmen der Untersuchung „höhere Werte“ bei der Abwertung von Minderheiten festgestellt worden als bei jüngeren. Demgegenüber seien „jüngere Menschen“ eher gewalttätig.

Die größten Probleme seien die Normalisierung der NPD sowie die positiven Erfahrungen mit der Partei, sagte Heitmeyer weiter. Immer wieder sei festzustellen, dass die NPD „die Rolle des Kümmerers“ annehme und so für ein positives Image sorge. Dort, wo die NPD Wahlerfolge erziele, werde die Partei zunehmend als normal wahrgenommen.

Der Kampf gegen Rechtsextremismus in Initiativen spiele dabei genauso eine Rolle wie die Unterstützung von Sportvereinen, freiwilligen Feuerwehren und Jugendtreffs. „Gerade in wirtschaftlich kritischen Zeiten muss die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus intensiviert werden, um das demokratische Fundament unserer Gesellschaft zu stärken“, sagte Tiefensee.

Quelle: LVZ Borna-Geithain, 09.09.2009

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