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Sozialraumanalyse zu Borna vorgestellt

Große Zufriedenheit mit der Stadt

Umfrage: Engagement und Fremdenfeindlichkeit

Von Nikos Natsidis

Borna. In Borna gibt es einen beachtlichen Anteil an Fremdenfeindlichkeit. Zugleich sind viele Bornaer bereit, sich im Kampf gegen rechts zu engagieren. Das besagen Ergebnisse einer Studie der Universität Bielefeld, die im Auftrag des Bundesbauministeriums repräsentative Befragungen in Borna und acht anderen Städten in den neuen Bundesländern durchgeführt hat. Die Ergebnisse für Borna wurden jetzt vorgestellt.

Befragt wurden dabei 497 Frauen und Männer im Alter von 16 Jahren aufwärts, sagt Dierk Borstel, Politologe vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Es gehe mit der Untersuchung um sogenannte Sozialraumanalysen, durch die Verantwortliche in den Kommunen Handreichungen für ihre Arbeit bekommen sollen. Die Befragungen in Borna erfolgten Anfang des Jahres. Das Projekt wird bis zum nächsten Jahr fortgeführt.

Generell gebe es eine relativ große Zufriedenheit der Bornaer mit ihrer Stadt, so Borstel weiter. Das äußere sich etwa in einer Zustimmung von 83 Prozent der Befragten zu der Frage, ob sie ihren Nachbarn vertrauen. Dagegen sind 10,3 Prozent der Meinung, dass sie in einer Stadt mit einem schlechten Image wohnen. 22,7 Prozent sind bereit, sich für Kinder und Jugendliche zu engagieren. „Eine Bornaer Besonderheit“, so Wissenschaftler Borstel. Üblicherweise rangiert das Thema Wirtschaft auf Platz eins, wenn es um die Prioritäten in Sachen Bürgerengagement geht. Mehr als 28 Prozent können sich zumindest prinzipiell vorstellen, sich zu engagieren – allerdings ohne genau zu wissen, wofür.

Immerhin 56,5 Prozent der Befragten seien willens und bereit, sich gegen Rechtsextremismus starkzumachen. Das sei eine gute Zahl, so Borstel, die allerdings weit unter dem Bundesdurchschnitt von 78,4 Prozent liegt. Das Thema Rechtsextremismus habe zudem eine spezielle Rolle in der Erhebung der Bielefelder Akademiker gespielt, sagt der Politologe weiter. Heraus kam bei der Befragung, dass 28,7 Prozent der Meinung sind, deutsche Aussiedler sollten bei der Vergabe von Arbeitsplätzen bevorzugt werden. 16 Prozent stimmten der Aussage zu, die Weißen seien zu Recht führend in der Welt. Dass zu viele Ausländer in Deutschland leben, bejahte mehr als die Hälfte aller Befragten: 50,4 Prozent. Dass Ausländer eine Belastung fürs soziale Netz sind, sehen 42,5 Prozent so. Immerhin 9,6 Prozent finden, dass Juden zu viel Einfluss haben.
19 Prozent, die die Homo-Ehe unmoralisch finden, stehen 75 Prozent gegenüber, die damit zumindest keine Probleme haben. 22,8 Prozent halten Obdachlose für arbeitsscheu und 42,5 Prozent sind davon überzeugt, dass sie aus Fußgängerzonen verschwinden sollten.

Das seien zwar beachtliche Werte. Generell bleibe aber festzuhalten, dass in Borna durchaus die Bereitschaft zum Engagement vorhanden sei, sagt Politologe Borstel. Dabei gebe es aber eine stille Reserve.

 

Standpunkt

Von Nikos Natsidis

Nur teilweise eine Überraschung

Es ist nur teilweise eine Überraschung, was eine repräsentative Umfrage über Borna zutage gefördert hat. Dass es in der Stadt ein erhebliches Maß an Fremdenfeindlichkeit gibt, ist erschreckend, aber keineswegs neu. Ganz anders dagegen die Botschaft, derzufolge die Bornaer durchaus zufrieden mit ihrer Stadt sind. Darauf sollte sich aufbauen lassen.

Ganz offenkundig ist der Wohlfühlfaktor in der Stadt höher als vielfach angenommen. Das widerspricht einer Erwartungshaltung, die immer und überall davon ausgeht, dass die Leute permanent mit geballter Faust in der Tasche durch Bornas Straßen gehen. So weit, so gut. Keineswegs heißt es, dass nicht noch immens viel zu tun wäre in einer Stadt, deren schlechtes Image vergleichsweise wenigen bewusst zu sein scheint.

In jedem Fall eine höchst interessante Erhebung. Die allerdings hätte ihren Zweck verfehlt, wenn ihre Ergebnisse sang- und klanglos in einer Schublade verschwänden.

Quelle: LVZ Borna-Geithain, 15./16.08.2009

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