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Deutsch-Polnischer Rap

Schüler aus Olkusz und Wurzen nehmen gemeinsam Lied über Auschwitz auf

Wurzen. Gemeinsam mit polnischen Jugendlichen haben Schüler des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) gestern in Wurzen einen Rapsong aufgenommen. Die Aufnahme ist der Höhepunkt eines Projekts, in dem die Jugendlichen ihre Eindrücke von einer Reise nach Polen verarbeiten, die unter anderem ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz geführt hatte.

"Wir war'n in Auschwitz und Birkenau, nun wissen wir alles haargenau. Wir haben's mit eigenen Augen geseh'n, und können es einfach nicht versteh'n!" Dies ist die erste Strophe und zugleich der Auftakt zum deutsch-polnischen Rap über die Gräuel von Konzentrationslager und Zwangsarbeit. Im Kulturkeller am Domplatz 5 haben die Hausherren vom Netzwerk für demokratische Kultur (NDK) den Schülern Bühne und Technik zur Verfügung gestellt. Am Mischpult steht Uwe Lichtenthal, eigentlich der Hausmeister hier am Domplatz 5. "Wir haben vor Jahren schon mal ein ähnliches Projekt gehabt. Das hat ganz gut geklappt", sagt er sichtlich entspannt. "Wir kriegen das schon hin."
Und der Mann scheint sich nicht zu täuschen. Die Begleitmusik wird eingespielt und hip-hop-typische Beats erfüllen den Raum. Auf der Bühne - 17 polnische Schüler und 15 Jugendliche vom BSZ. Oliver Geißler und Paul Zosel vom Beruflichen Schulzentrum teilen sich beim Singen der ersten Strophe das Mikro. Im Hintergrund kommen ihre Mitschüler und die Austauschschüler aus Olkusz langsam in Fahrt, singen den Refrain mit und bewegen sich im Takt der Musik. Absolut nachvollziehbar, dass die Jugendlichen anfangs etwas gehemmt wirken. Schließlich wird hier nicht "nur" eine Tonspur aufgenommen - die Aktion wird auch noch gefilmt.
Wie bei den Profis auch, geht im D5 nichts ohne stetige Wiederholung. Nach einigen Versuchen wird der Hintergrundchor hörbar mutiger und lauter und auch Oliver und Paul sprechsingen ihre Texte immer energischer ins Mikro. Wie man dabei noch ein paar lässige Bewegungen hinzu kombiniert, zeigen ihre polnischen Kollegen Sebastian Kolmasiak und Grzegorz Majcherkiewicz. Die springen förmlich aus der Deckung der Gruppe und begleiten ihren Musik-Part mit ausladenden Bewegungen - ganz im Stil eines Rappers eben.
Projektleiterin Gabriele Hertel, die am BSZ Geschichte, Gemeinschaftskunde und Ethik unterrichtet, ist mit dem Auftritt ihrer Leute zufrieden. "Wir brauchen uns wirklich nicht zu verstecken." Bereits seit 2006 gebe es die Zusammenarbeit mit der Schule in Olkusz. Durch die Begegnungen mit den polnischen Jugendlichen und die gemeinsame Arbeit an den Stätten deutscher Verbrechen sei es einfacher, die Schüler für die Vergangenheit zu sensibilisieren. "Bei vielen der Schüler spüre ich eine große Empathie", sagt Hertel. "Die hat das Schicksal der Zwangsarbeiter schon ziemlich mitgenommen. Und der Rap hilft ihnen dabei, das alles zu verarbeiten."
So hegen die Schüler auch keine Zweifel an der Geeignetheit des Hip-Hop als Ausdrucksmittel. "Wir sollten das Thema jugendgemäß aufarbeiten. Und bei so einem Lied konnten wir alle mitmachen", sagt die 19-jährige Franziska Schüle. Namensvetterin Franziska Rosenkranz betont, dass das Lied zum größten Teil noch vor Ort geschrieben wurde. "Von den Polen und uns gemeinsam." Markus Tiedke

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Erste Versuche im D5: Zu Beginn der Aufnahme rappen die Jugendlichen noch etwas verhalten. Später tauen sie aber schnell auf.Foto: Andreas Röse
Erste Versuche im D5: Zu Beginn der Aufnahme rappen die Jugendlichen noch etwas verhalten. Später tauen sie aber schnell auf.Foto: Andreas Röse