Ich finde die Arbeit des NDK wichtig, weil …

sie trotz zahlreicher Widerstände ein vorbehaltloses und vorurteilsfreies Engagement im Umgang und in der Arbeit mit Flüchtlingen zeigt. 

Christine Schuster – Ehrenamtliche
Geschlafen wird später!
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1. August 2017

Was schaust du mich so an?

Auf Tuchfühlung mit Vorurteilen

Bunt ist das Leben und bunt sind die Gesichter Wurzens. Kein Wunder, dass der/die eine oder andere hier und dort auf Vorurteile stößt – ob aufgrund der Kleidung, der Hautfarbe, der Sexualität, des Geschlechtes oder der Herkunft. Doch wie fühlt sich jemand, der /die benachteiligt wird?

Einen Blick hierauf gibt die Plakatkampagne „Auf Tuchfühlung mit Vorurteilen“. Diese beleuchtet gesellschaftliche Vorurteile aus der Perspektive betroffener Menschen und regt so zum Nachdenken über die Wirkkraft von Vorurteilen an. Entwickelt wurden die insgesamt sechs Plakatslogans von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam mit dem Unterstützer_innen – Netzwerk für Geflüchtete in Wurzen.

Zu sehen waren die Sprüche auf über 200 Plakaten in und um Wurzen, die für ordentlich Aufmerksamkeit sorgten. Eindeutig uneindeutig blieb dabei ihre Aussage. Geht es um Ost – West? Stadt – Land? Homosexualität? Geschlecht? Das Thema Flucht und Migration stand nicht zwingend im Vordergrund.

Die Interpretationen waren genauso vielseitig wie die Slogans. Jugendliche konnten sich mit "Warum schaust du mich so an?" öfter identifizieren, ein aus der Großstadt zugezogener Mann fand sich in der Aussage "Ab wann bin ich hier nicht mehr nur zu Gast?" wieder. Und "Sind die wirklich immer alle so?" wurde in diversen Kontexten mit einem "nein" beantwortet. So pauschal sagen könne man das ja nicht, und es wären doch alle Menschen verschieden.

Vielseitigkeit - darum ging es auch bei einem anderen Projekt. Die Audiostation Gesichter unserer Stadt präsentierte vielschichtige Interviews mit Wurzner_innen und stellte ebenfalls die Frage: "Wie wollen wir zusammen leben?"

Ein Tisch mit Stühlen, ein klingelndes Telefon. Am anderen Ende der Strippe ein_e Wurzener_in, der/die aus seinem oder ihrem Leben erzählt. Bunt sind die Geschichten von der Flucht aus der DDR, vom Tragen eines Kopftuches, von der westdeutschen Familie, deren Mitglieder Wahl - Wurzner_innen geworden sind, und den eritreischen Geflüchteten, die gerne geblieben wären, aber sich nach mehreren rassistischen Übergriffen in Wurzen nicht mehr sicher fühlten. Wer erst einmal am Tisch saß, zuhörte und mitdiskutierte über sein oder ihr Wurzen, merkte schnell: Bei der Frage nach dem Zusammenleben spielt auch das Thema Vorurteile eine Rolle.

Was lag also näher als die zwei Projekte mit unterschiedlichen Ansätzen und Inhalten mit einem ganzheitlichen Konzept zu vereinen? Geschlossen wurde die Lücke zwischen der dargestellten Diversität Wurzener Anwohner_innen und den dennoch (oder gerade deshalb) gegebenen Diskriminierungserfahrungen durch Aktionstage auf dem Wurzener Markt und im Kinder - und Jugendhaus Wurzen, bei denen Audioausstellung und Plakatkampagne zu einer interaktiven Station verbunden wurden.

Viele verschiedene Meinungen und Ansichten wurden in den Gesprächen offenbar. Dabei war es nicht immer leicht, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Worüber sich aber alle einig waren: dass es letztlich woanders auch nicht besser ist.

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