27. August 2026
Eine Geschichte über Wurzen, Verfolgung und unverhoffte Freundschaft
Keren Luchtenstein erzählt, wie sie über das Stolperstein-Projekt in die Heimat ihres Vaters zurückkehrte und Freundschaften entstanden, die sie nicht für möglich gehalten hätte.
- Das Video zum Interview findest du hier: https://www.youtube.com/shorts/VMAKm8sd1sA -
Luchtensteins in Wurzen
Kerens Vater wurde 1921 in Wurzen geboren. Nach der Reichspogromnacht, in der das Kaufhaus der Familie durch die SA gestürmt und verwüstet wurde, flohen er und sein Bruder 1939 gemeinsam nach Großbritannien. Seine Eltern blieben zurück und wurden 1941 erst in das Ghetto von Litzmannstadt (Łódź) und von dort aus 1942 in das KZ Kulmhof (Chelmno) deportiert und ermordet.
Eine unverhoffte Nachricht
74 Jahre später, im Februar 2013, erhielt Keren eine Nachricht: Im Herbst desselben Jahres sollten Stolpersteine für ihre Familie verlegt werden.
In Wurzen hatte die Aktionsgruppe Stolpersteine, welche das NDK mitinitiiert hatte, im Jahr zuvor bereits vier Steine für die Familie Helft verlegt. Nun sollten weitere für die Familie Luchtenstein folgen.
Zu diesem Zweck wurde Keren im Juni 2013 nach Wurzen eingeladen. „Dort lernte ich die vielen wunderbaren Menschen kennen, die an dem Projekt mitgewirkt hatten“ , sagt sie.
Die Stolpersteine werden verlegt
Im September des Jahres kamen schließlich 22 Familienangehörige nach Wurzen, um gemeinsam der ermordeten Familienmitglieder zu gedenken. Die Stolpersteine wurden in der Heinrich-Heine-Straße 3 (früher: Fischerstraße) vor dem ehemaligen Wohnhaus und dem Geschäft in der Jacobsgasse verlegt.
Für Keren war es ein bedeutender Besuch: „Mein Vater wäre überglücklich gewesen zu wissen, dass jedes Jahr am 9. November ein besonderer Gottesdienst in der Kirche stattfindet und Kinder die Stolpersteine reinigen, um die Erinnerung für künftige Generationen lebendig zu halten.“
Freundschaften, die man nicht für möglich gehalten hatte
Keren betont auch 13 Jahre später: „Die Stolpersteine sind ein außergewöhnliches Projekt. Es hat unser Leben tiefgreifend bereichert. Es sind dauerhafte Freundschaften entstanden, die ich nicht für möglich gehalten hätte.“
Außerdem betont sie die Bedeutung von Kultur und Erinnerung: „Ich bin Künstlerin und meine Söhne sind Musiker, daher verstehen wir den Wert der Künste in der Gesellschaft. Bitte unterstützen Sie weiterhin kulturelle Veranstaltungen in Ihrer schönen Stadt.“
Was Du tun kannst
Gedenken ermöglichen, Erinnerung wach halten und Zukunft gestalten sind die drei Ziele unserer erinnerungspolitischen Arbeit. Dafür organisieren wir neben dem Stolpersteineputzen, jedes Jahr Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag, zum Tag der Bücherverbrennung und Erinnerungsfahrten an die Todesmärsche.
Wir glauben, dass diese Form des gemeinsamen Erinnerns eine große Bedeutung hat – besonders in Zeiten, in denen kritisches Gedenken von der extremen Rechten angegriffen wird.
Wenn du uns dabei helfen möchtest, dass wir diese Arbeit auch weiterhin fortsetzen können, dann unterstütze uns mit einer Fördermitgliedschaft: www.ndk-wurzen.de/ueber-uns/spenden