Ich finde die Arbeit des NDK wichtig, weil …

es gegenseitige Achtung vorlebt und mit seinen Handlungen tatsächliche und seelische Gewalt verhindern will.

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31. Dezember 2019

Hier bin ich - hört mir zu - ich habe eine Geschichte zu erzählen

Interessant sind Menschen mit Migrationsgeschichte oft nur, wenn sie negative Schlagzeilen machen und bestehende Vorurteile weiter zementiert werden können.

Die Angst vor sogenannten „Ausländern“ ist statistisch gesehen dort am größten, wo sie gar nicht leben. Viele Menschen, vor allem in ländlichen Räumen, sind nicht offen für Neues oder für Veränderung. Nach 2015 hat sich einiges verändert, vor allem auch in kleinen Städten und Kommunen in Sachsen. Menschen auf der Flucht, haben kurz - oder langfristig hier ein neues zu Hause gefunden. Gleichzeitig trafen sie auf Menschen, die ihnen mit Ablehnung und leider oft auch mit Hass begegneten. Dies haben wir auch in Wurzen und Umgebung wahrgenommen. Zu fast täglichen verbalen Beleidigungen kamen auch körperliche Angriffe, was viele veranlasste weg zu gehen oder sich aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen.

Geflüchtete werden so oft nur als Bittsteller und Konsumenten der Sozialleistungen wahrgenommen. Sie treten ebenso wie andere Menschen mit Migrationshintergrund nur wenig öffentlich in Erscheinung und beteiligen sich kaum aktiv am gesellschaftlichen Leben oder an Prozessen in der Kommune. Hinzu kommt, dass in den Medien immer nur über Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund berichtet wird, aber nie sie selbst ihre Themen setzen oder tatsächlich aus eigener Erfahrung berichten können. Interviewanfragen beziehen sich eher auf Rassismus – und Gewalterfahrungen. Positive Geschichten finden nur selten den Weg in die Zeitungen. So werden sie weder als handelnde Akteure wahrgenommen, noch sind sie es de facto.

Das wollten wir ändern. Wir wollten die Menschen zu Wort kommen lassen, persönlich und vor allem auch positive Geschichten erzählen. Die Geflüchteten sollten ihre eigenen Themen wählen, selbst Interviews führen und Texte schreiben mit Unterstützung einer Journalistin. Durch eine Medienpartnerschaften sollten die Texte in die Zeitung kommen.

Leider ist dies für uns alle ein Wunsch geblieben. Auf die Hindernisse, welche uns bei der Arbeit begegneten, waren wir nicht vorbereitet. Die Geflüchteten waren aus verständlichen Gründen nicht bereit in die Öffentlichkeit zu gehen und ihre Geschichte zu erzählen, die Unternehmen und Betriebe (mit Auszubildenden mit Migrationshintergrund), die angefragt wurden, wollten nicht in der Zeitung stehen, aus Angst vor Anfeindungen und die lokale Zeitung fand positive Geschichten nicht lesenswert.

Nach diesem Rückschlag entschlossen wir uns, diese Geschichten selbst zu erzählen und mit Essen als verbindendes Element zu versehen. Entstanden ist aus einer Vielzahl an Interviews ein Kochbuch mit Lebensgesichten. Die Präsentation des Buches fand am 7.12.2019 im Rahmen eines öffentlichen kulinarischen Miteinanders statt. Mit dieser Verbindung von persönlichen Geschichten und Rezepten, ist es uns gelungen, doch eine größere Öffentlichkeit für die positiven Erzählungen zu erreichen und unser Ziel ist es, über Veranstaltungen im Rahmen der Vorstellung des Buches weitere Begegnung und Austausch auch über 2019 hinaus zu ermöglichen.

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